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Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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i58 Ahron Marcus. ist der Begriff der immanenten Entwickelung, dessen Anwendung auf die Welt als Ganzes, der Glaube an eine Weltentwickelung, wovon sich auch in der alten Philosophie keine Spur findet, so fremd und zuwider, daß Mendelssohn noch einem Lessing gegenüber die Unmöglichkeit des Weltfortschreitens behaupten und verfechten konnte, wenn Hartmann die Plattheiten der Wolf-Mendelsohn-Nicolai'schen Aufklärerei angreift und sagt: ״Erst Leibnitz hat den Entwickelungsprozeß gleichsam von Neuem entdeckt — und kann in gewissem Sinn als der positive Apostel der modernen Weltanschauung betrachtet werden, so weist Marcus nach, daß ähnlich wie Reuchlin seiner Zeit von der Kabbalah fasziniert wurde, Lcibnitz durch die kabbalistische Porta coeli des Admiral Herrera und den Verkehr mit gelehrten Juden stark beeinflußt worden ist. Typische kabbalistische termini technici und Anschauungen finden sich bei ihm wieder. Aber nun kommt Marcus zu dem Hauptschlag, den er gegen Hartmann führt. Nicht nur talmudische und midraschische kurze Be־ merkungen lehren die Schaffung und Zerstörung vieler Welten, wie sie uns die Paläontologie lehrt, und glauben sie in dem Wortlaut der Schöpfungsgeschichte begründet, nicht nur (der von Grätz so verlästerte) R. Chaim Vital (1571) betrachtet die männlichen Brustwarzen als rudimentäre Reste der hermapliroditischen Anlage des Menschen; in aller Klarheit und mit vollem Bewußtsein widmet der wiegen seiner klassischen Dichtungen und des herrlichen Moralwerkes Meßilas Jeschorim berühmte R. Moses Chaim Luzzato (1^03—43) einen großen Teil seines קל״ח פתחי חכפלדל dem Gedanken der Weltentwicklung mit ihrem Gegensatz von Freiheit und Gesetzmäßigkeit. Im ״Hartmann“ übersetzt Marcus die betreffenden Partieen prächtig. Im Barsilai Kapitel V sind alle erwähnten Stellen im Auszug des Originals wiedergegeben, und Luzzatos Lehren in sechs Lehrsätzen dargestellt. Kurz sind sie auch in dem Vortrage ״die moderne Entwiekelungstheorie in der jüdischen Wissenschaft“ ausgeführt. Hundertundfünfzig Jahre bevor Darwin-Häckel alle Hirne mit ihrem Lehrgebäude derartig suggestiv beeinflußt haben, daß Selektion, Kampf ums Dasein und das biogenetische Grundgesetz den Gottesglauben in der modernen Menschheit fast erstickt haben, erschien dieser jüdische Weise, um mit uralten jüdischen Lehren ״den Zeitgeist, wie es das Judentum schon oft getan, an die Kette zu legen“. — Ich kann wohl behaupten, daß die Klarlegung dieser Gedanken in der jüdischen Überlieferung inj Marcus die Überzeugung von dem Hervorbrechen göttliehen Geistes im Judentum zu Zeiten der Not und seine Geschichtsauffassung unendlich gefestigt hat. Es war wohl die größte Freude seines Lebens, daß er Schrittmacher dieser Lehren sein durfte. Er wollte nichts als im Schatten dieses unendlich verehrten Weisen stehn. Und so wird er von seinem Glanze beleuchtet! — Ich muß es mir aus räum-

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