Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Ahron Marcus. 157 Marcus weist bei dem dem Rawed zugeschriebenen Jezira-Kommentar, als dessen Verfasser er den R. Josef ben Kalonymos hoaschkenasi ansieht, nicht nur verblüffende anatomische und psychologische Kenntnisse über Hirn und Rü ckenmarknerven nach* * * * 5) sondern philosophisches Schwergut. wie seine Betrachtungen z. B. über Aulom, schono, nefesch d. h. Raum, Zeit, Seele, wobei wir an Kant denken, nach dem Raum und Zeit Denkformen der Seele sind. Die Lehre des Unbewußten, aus dem das Denken entspringt, weist er in R. Chaim’s ben Atar Torakommentar Or Hachajim zu פ אחרי מרת nach. Diesen großen Mann (1696—1743) hat Grätz ganz übersehen. Marcus hat dieser Entdeckung das ganze Werk ״Hartmanns Philosophie des Unbewußten im Chassidismus“ gewidmet. Daß auch die neueren Chassidäer, besonders die Chabad diesen Gedanken bewußt benutzen und überhaupt glänzende psychologische Betrachtungen gemacht haben, geht aus der Übersetzung des Kuntris hahispaalus, ״Abhandlung über die Gefühlsaffekte“ und des ״Schaar habechira“ Lehre des Willensfreiheit (leider abgebrochen) vom R. Ber Seniorsohn, Lubawitsch 1813 hervor, die Marcus in der Krakauer jüd. Zeitung 1399 gegeben hat Ich verweise auch auf den hebräschen Auszug aus den לקרטי תררדז vom R. Senior Salmondus Lodi (1743—1813) Barsilai S. 30,81. Hier findet sich also der von Marcus so oft hervorgehobene wunderbare Parallelismus zwischen der Philosophie des Judentums und der modernen Welt. Ebenso wie bei der später zu besprechenden Entwicklungslehre, überholt das Judentum aber die Moderne und nimmt ihrer letzten Consequenz. dem Akosmismus die gefährliche Spitze. Die Kritik, welche Marcus gelegentlich an der modernen experimentellen Psychologie übte, ist allerdings unberechtigt. Aber sie erreichte ihre Höhe erst, als Marcus hochbetagt war und mit anderen Studien beschäftigt, hier nicht folgen konnte. Scharf, schneidend und treffsicher ist jedoch Marcus Kritik an Hartmann, der seine Zukunftsreligion auf der Gesamtheit der Wissenschäften, insbesondere der Entwickelungslehre und Paläontologie aufbauen will. Wenn Hartmann sich schließlich dazu versteigt, zu behaupten: dem seiner Natur nach stationären und stagnierenden Judentum reichenden Gedanken nicht wissenschaftlich sicher nachweisen, welches Volk der Spender, welches der Empfänger war. Mehr Indizien sprechen jedenfalls dafür, daß die Juden die Spender der Grundgedanken. Griechen u. s. w. Empfänger waren, die das Empfangene philosophisch oder phantastisch ausputzten.; Jüdische Denker nahmen dann häufig das von Fremden falsch erzogene Kind allzu gastlich wieder auf. 5) Dr. Paul Apelius, Maimonides Krakauer jüd. Ztg. 98, 2—(v