Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Erzeihungsfragen in Ost und West. 150 da, heute vielleicht noch mehr als früher. Viel häufiger noch als früher ist in den höheren Schulen die Unsitte eingerissen, däß die Lehrer statt die Hauptarbeit in die Unterrichtszeit zu verlegen, die Aneigenung des Pensums dem hausliehen Fleiß überlassen und einen Teil der Stunde zu ablie2־enden allgemeinen Erörterungen benutzen, wobei es dann vorkommt, daß der Lehrer des Deutschen(!) - wir erzählen Tat- Sachen — sich über den Darwinismus, Bibelkritik usw. verbreitet. Also an der Errungenschaft der jüdischen höheren Schule wollen wir nicht rütteln lassen. Nur daß, wie die Erfahrung in allen Städten gezeigt hat, in der Schule selbst für das Talmudstudium nicht die Erfolge errungen werden und errungen werden können, wie wir sie von einem künftigen Geschlecht, das rechte Bachurim stellen soll, erhoffen. Doch kann, gerade im Anschluß an die Erfahrung, die die Schule macht, den Eltern das Urteilen über die Befähigung ihrer Kinder für ein intensives Talmudstudium erleichtert werden. Sehr beachtenswert ist der Versuch, der in Heidelbergmit der ״Thoraschule“ unternommen wurde. Sie geht von aer berechtigten Voraussetzung aus, daß in all unseren Schnlen die begabten Kinder zu ihrem grcTJen Schaden das Schleppgewicht aeY unbegabten mittragen müssen.?In der Tat kann man sagen, daß wie bei einer Flottendivision die Gesamtheit der Schiffe inbezug auf ihre Schnelligkeit nur den Wert des langsamsten Schiffes hat, so der ganze Klassenunterricht nur gerade so schnelle Fortschritte machen kann, wie sie den wehiger Begabten erreichbar sind. Auf die Folgen, w&lche die Eiiv tönigkeit der Wiederholungen und der ganze Zuschnitt des Unterrichts demgemäß auch sonst für die Entwickelung der Begabten hat, soll hier nicht eingegangen werden. Zweifellos aber kann man in Klassen, die nur für Begabte eingerichtet werden, in Einern Bruchteil der Zeit das Gleiche erreichen. Der reiche Gewinn an Zeit kommt nun in der erwähnten ״Thoraschule“ den jüdischen Fächern zu gut. Für die älteren Schüler fungiert ein jüdischer Raw als Lehrer. Ich habe mich bei meiner Anwesenheit in Heidelberg davon überzeugen kön-