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Jeschurun · 1917-02-01 · Heft 2 (Februar 1917) · page 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 2 (Februar 1917)
Date
1917-02-01
Page
– (sequence 63)
Language
German
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Ein Wort über Krieg und Menschlichkeit. 127 der 110 misrachistjschen Delegierten? Muß uns allen denn eine Rinde wachsen? Sie meinen, daß das gesetzestreue Judentum innerhalb der zionistischen Organisation wirken müsse, und ich bin ent! gegengesetzter Meinung. Sie verlangten den unveränderten Abdruck Ihrer Zuschrift, und darum mußte ich auch wider Willen das Gute stehen lassen, was Sie von mir zu sagen haben. Ich glaube, es bedarf für den, der Sie kennt, und wer sollte Sie unter den Lesern dieser Zeitschrift nicht kennen, keiner Unterstreichung Ihrer lauteren Gesinnung und Ihres Idealismus und so darf ich wohl mit der Bitte schließen, Sie wollen auch ferner Ihre Freundschaft dieser Zeitschrift erhalten und Ihrem Ihnen sehr ergebenen J. W!! Ein Wort über Krieg und Menschlichkeit. Von Rabb. Dr. A. Neuwirth, Mainz. Ein alt jüdisches Sprichwort sagt: Bei drei Dingen erkennt man den Menschen: Beim Becher, im Zorn und wenn es ihm an den Geldbeutel geht. Wenn die Hemmungen fallen, mit denen der gesellige Mensch sein eigenes Ich umpanzert, da muß es sich zeigen, ob er genügend inneren Halt gewonnen, ob die adelnde Form nur äußerer Zwang, ob :Seelenadel dahinter wohnt. Ein solcher Prüfetein für die Menschheit bleibt der Krieg. Ob Kultur und Menschlichkeit nur Firnis gewesen, Mummenschanz, ob sie wirklich Wurzel geschlagen im Bewußtsein, im Herzen der Menschen, das zeigt die Stunde, da die äußere Fessel des Gesetzes bricht. Daß die Kriege ihr Ende schon gefunden, schien den meisten nur ein schöner Traum, daß sie menschlicher geworden sind, war bisher unser aller Stolz. Und heute? — Gibt es eine Grausamkeit, die uns noch in Erstaunen setzte? Wir nahmen auch den Aushungerungskrieg, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Lassen wir die Vergangenheit zu uns sprechen. Wir blättern in unserem jüdischen Schrifttum.

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