Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Wohlgemutes Achad-Haam-Artikel. 125 mit dem ich mich vom Standpunkt des gesetzestreuen Judentums au s e i n an d er s e t z e n wollte, ein anderer, weil es in der zionistischen Partei eine Misrachi- Fraktion gibt? Aber Sie haben noch sonst verschiedenes auf dem Herzen״ Sie stellen mir, verehrter Herr Struck, die Alternative: dumm oder schlecht. Denn dumm ist ein Mensch, der heutzutage von jüdischen Dingen redet und über den Zionismus nicht orientiert ist und schlecht ein Kerl, der eine religiöse Zeitschrift herausgibt und da die krummen Wege politischer Hinterhältigkeit geht. Was nun die Dummheit in diesem Falle angeht, so muß ich Ihnen gegenüber leider betonen, daß ich mich für klüger halte. Ich habe lange mit dem Zionismus gerungen. Fragen Sie Prof. Heinrich Löwe, der, als er noch mit Willy Bambus den ״Zion“ herausgab, lange vor dem Erscheinen von HerzPs ״Judenstaat“ auf meiner Studentenbude so manche Nacht seine Sporen als Apostel an mir verdienen wollte; seitdem habe ich so mancherlei geschrieben, was Sie nicht zu kennen brauchen, was mich aber vor dem Verdacht schützt, ich verfolgte die einschlägige Literatur nicht mit Aufmerksamkeit. Bleibt die Schlechtigkeit. Um meine Leser, die, nebenbei bemerkt, für so borniert eingeschätzt werden, daß sie vom Misrachi und vom Tachkemoni nichts wissen, auf jene Organisation und diese Institution nicht aufmerksam zu machen, habe ich sie totgeschwiegen. Mein sehr verehrter Herr Struck: Gestatten Sie eine argumentatio ad hominemt Ein klein wenig kennen Sie mich denn doch. Sie dürfen mir recht viel nachsagen, aber daß ich ein Diplomat, daß ich ein Politiker bin, das hat noch der ärgste Feind von mir nicht behauptet. Schon aus dem einfachen Grunde, weil ich dazu — ich sage G. s. D. — zu dumm bin. Ich nehme* den Zionisten ihre Politik nicht übel, denn sie sind eine politische Partei. Ich aber würde mir verächtlich vorkommen, wenn ich dort, wo ich nach meinen schwachen Kräften der Hebung unserer r e 1 i g i ö s e n Güter zu dienen hoffe, dies Streben durch politische Rücksichten verunreinigen wollte. Aber, noch eins. Können Sie sich gar nicht erklären, wieso ich in diesem Zusammen־* hang von den Dingen, die Ihnen am Herzen liegen, nicht gesprochen habe? Soll ich mit einem Künstler von diesem Ruf die Elemente der auf die redenden Künste angewandten Ästhetik durchgehen? Ich habe mir wohl vorher ausgetüftelt bei III a a, da mußte eigentlich der Misrachi erwähnt, bei IV cß der Tachkemoni angeführt werden, aber er wird gestrichen. Nein, was vor Jahrzehnten, da mich zuerst Prof. Israel Friedländer, damals noch ein junger Fuchs, auf Bleich^• rodes Studentenbude, auf Achad Haam aufmerksam machte, in mir an Gedanken über Achad Haam geschlummert, was ich viele