Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Bilder aus Littauen. 107 weil sie ihre Not nicht gestehen können, noch Zedokoh geben, während sie längst welche nehmen dürften. Dauert der Krieg noch lange, dann — Gnade Gott! — und besonders denen, denen der Kowed den Mund verschließt. Fischmarkt! Das ״in der Reihe stehen“ kennen Sie von Berlin. Nur hat es hier die Polizei viel schwerer. Wie kann es der Frau eines Mitgliedes der Gewinne (Gemeindevertretung) oder der Madame ״Gewierte‘‘ zugemutet wrerden. sie solle hinter der Frau ihres Schusters antreten? Oder der Fischfrau, sie solle die Schustersfrau erst bedienen? Ein bischen laut finden Sie es? Daran müssen Sie sich gewöhnen. Alles können Sie hier finden, nur keine Disziplin. Volksküche! Ein ganz ähnliches Bild, kein schönes, so wohltuend seine Wirkung; so hervorragend die Leistungen hier wie überall auch ohne Zahlen und Illustrationen, die sie der Welt verkünden. Der Schulhof. In der Mitte die Gemeindesynagoge, ringsherum die Gebäude Bothei midroschim, die eigentlichen Zentren der Judenstadt. Unten, oben, im Vorraum, in der Nebenstube, ein Minjan nach dem anderen vom frühen Morgen bis gen Mittag. Die Klaus, das Beth hamidrasch der Jeschiwoh. Sie hören es schon von außen. Eben ist der Schiur beendet. Die 50 Hörer repetieren das Gehörte, für sich oder mit einem Nachbar, jeder laut, mit redenden Händen, begleitenden Schritten. Ein brausendes Meer von Stimmen, Bewegungen. Beim Anblick der Uniform ein Auf schrecken des Blickes, die Lippen können nicht so schnell vom Nigan los und singen unbewußt weiter. Ein Bekannter! Schon versenken sich die Augen wieder ins Sepher, die Finger auf die schwierige Stelle. Ist sie so schwer, daß auch die Aelteren, deren einige schon Semichoh haben, keine Lösung finden, wird der Rösch jeschiwoh um Rat gefragt; erst unser Gruß läßt ihn vom Buch aufsehen, dann widmet er sich uns völlig. Voll Stolz führt er uns in seine neuste Schöpfung, die Vorbereitungsklasse. 15 Knaben, 10—14 Jahre alt. Liebe, kluge, aber meist