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Jeschurun · 1917-02-01 · Heft 2 (Februar 1917) · page 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 2 (Februar 1917)
Date
1917-02-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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106 Bilder aus Littauen. Sie schüttelt den Kopf: ,,Mein Herr, ich bin ein jüdisch Kind“. Und ״jüdische Kinder“ sind sie, fast alle, alle trotz Hunger und Not, trotz Lebensfreude und Lust an schönen Kleidern und Schuhen und trotz der vielen, vielen Gelegenheit. Unten im Hof werden Lasten geladen. Jüdische Packträger, eigene Gilde, wie die der Fuhrleute, der Droschkenkutscher. Sehen Sie da den Alten mit schneeweißem Bart? Eine Prophetengestalt. Der Jüngling neben ihm ist sein En-, kel. Sie schaffen beide die schwere Last. Der Alte zwingt auch ^inen ganz ,,herben Taußfauß“. Ich sehe ihn oft im Beth hamidrasch. Einer der eifrigsten im Pilpul. Und der Junge sitzt über der Gemoroh mit viel bedrückterem Gesicht als er es jetzt mit dem schweren Packen auf dem Rücken zeigt. Der Alte, ein Chochom, mit seinem Los auch in schwerer Kriegszeit zufrieden. 18 Münder sind täglich an seinem Tisch zu stopfen. Täglich wäre ein Pud Brot notwendig und auf Karten gibt es nur 9 Pfund. Aber Gott hilft von einem Tag zum andern, trotz Krieg, trotz geringer Arbeits- und Verdienstmöglichkeit. Je weniger Brot, desto mehr Zeit zum Lernen. Den Enkel sähe er gern in der Jeschiwoh, aber man braucht so notwendig seinen Verdienst. Auch arge Taugenichste sind zwischen der Gilde. Da der lange Bengel. Die fehlenden zwei Finger haben ihn vom Militär befreit. Er kann noch nicht lange aus dem Gefängnis entlassen sein. Schwerer Einbruchsdiebstahl, mit unerhörter Kühnheit ausgeführt. Der Rote daneben soll in Friedenszeiten ein berüchtigter Taschendieb sein. Jetzt sind alle Taschen leer und so muß er ehrlich arbeiten. Sehen Sie sich da den Fuhrmann an. Feines Gesicht, War in Friedenszeiten ein wohlhabender Bürger. Eigenes Haus, Geschäfte in Rußland. Das Geld bei russischen Kunden, das Haus leer oder von Militär belegt, kurz, er und die Familie hungerte. Fuhrmannsgeschäfte bringen nie viel ein, und er versteht sie nicht einmal. Wenigstens hat er den Mut zum Fuhrmann. Wie viele gelten noch als Besitzende, denen es ebenso geht; wie vielen, noch schlechter, weit schlechter.

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