Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Bilder aus Littauen. 103 Bilder aus Littauen. Lieber Herr Dr. נ" י! Ihrem Wunsche, Ihnen schon etwas von meinem jetzigen Standort zu erzählen, kann ich leider nicht nachkommen; ich kenne die Stadt noch nicht und möchte mir auch nicht den Gebrauch der Vergnügungsreisenden — ich wollte sagen — der Vertreter von Korporationen aller Art zu eigen machen, die zwischen zwei Zügen eine Stadt, in acht Tagen das ganze besetzte Gebiet, die Lebensverhältnisse seiner Bewohner und alles was ihnen not tut, kennen lernen. Also mit dem Neuen ist es noch nichts. Aber noch sind die Erinnerangen an mein letztes Domizil frisch und ich nehme an, daß es auf einem Spaziergang durch G. noch manches Sie Interessierende geben wird. Wollen Sie mitkommen? Ich zeige Ihnen wieder nur Bilder, ohne jede Kritik. Und so müssen Sie sie auch sehen wollen als Neues, Anderes, nicht Besseres, nicht Schlechteres. Ausschnitte, Momentaufnahmen, wie ich sie oft gesehen, wie ich sie immer wieder gefunden habe, also Durchschnitt, Lebenstreue. Wenn ich Ihnen die Stadt zeigen wollte, würde ich ,Sie erst zum Fluß führen, dessen romantisch zerklüftete Ufer an den Rhein erinnern, nur daß hier die Eisschollen sich jagen und stoßen, und polternd an den Ueberresten der gesprengten Brücken sich stauen. Würde sie von einem der nahen Hügel die Stadt sehen lassen, wie sie zwischen den jetzt verschneiten, vereisten Gärten ruht, überragt von den Riesenzwiebeln der russischen Kirchtürme, die ihr Gold, Blau und Grün in der Sonne zu tausend Farben mischen, wie Strahlenbündel leuchten lassen. Zur alten Vorstadtsynagoge würde ich Sie führen. Hunderte Jahre haben das Holz, aus dem sie gebaut ist, geschwärzt, die doppelte Dachhaube aus Schindeln gebräunt. Wie die graue Vorzeit schaut sie von der freien Höhe, auf die sie gestellt ist, auf die Stadt herab. Aber wir wollen zu den Lebenden, zum Jetzt. Und das hat für Poesie nicht viel übrig. Wie alle Ehrengäste