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Jeschurun · 1917-02-01 · Heft 2 (Februar 1917) · page 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 2 (Februar 1917)
Date
1917-02-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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104 Bilder aus Littauen. müssen Sie zunächst zur ״Fabrik“, zum Lebensnerv der Stadt. Dem Namen nach kennen Sie sie bereits. Das Aeußere verrät trotz der langen Front des Gebäudes nicht, daß im Frieden 2000—8000, jetzt noch an 500 jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen hier ihr Brot für sich und ihre Familien verdienen, außer dem Heer von Fuhrleuten, Handwerkern, Händlern, die von der Fabrik oder durch sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. Den Gründer und Seniorchef, eine auch in Deutsch-!and als Lamdan und Gewir bekannte Persönlichkeit, habe ich leider noch nicht kennen gelernt. Seine Werke, die Stiftungen der Familie, alle Wohltätigkeitsanstalten der Stadt erzählen von ihm, trotzdem er fern, in Rußland verblieben ist. Die ganze Fabrikanlage, den riesigen Dvnamo, die so interessant und präzis arbeitende Maschine wird Ihnen der Meister erklären. Alle Tage fast muß er den gleichen illustrierten Vortrag halten, so oft wird die Fabrik von Offizieren und Beamten besucht. Ich führe Sie gleich in einen der Arbeitsräume. Hunderte Hände jüdischer Frauen und Mädchen in fleißigem Schaffen, ebensoviel Lippen in ununterbrochenem, lautem Geschwätz. Ich bin kein Sprac-hfanatiker, keiner von denen, die es des Kampfes für wert halten, welcher Sprache in der Schu- Je die Herrschaft gebührt, aber diese Arbeitssäle schwirrend und hallend im Mammeloschen, die Haudoaus, die Fabrik- Ordnung in Jiddisch, diese noch so ausgesprochenen jüdischen Typen, dieses schaffende, lebende Bild, das ist bewußte Jüdischkeit, lebendes jüdisches Volk. Vielleicht auch nur ein Phantom — aber ein schönes. Schade, wenn es vor einer sogenannten Kultur weichen müßte. Sehen Sie sich ein paar der Gesichter näher an, ich will Ihnen deren Familienverhältnisse schildern. Nicht das, weis sie mir selbst erzählt haben. Sie wollen nicht gefragt, nicht bemitleidet sein, sind gewöhnt von ihrer Hände Arbeit, nicht von milden Gaben zu leben. Für wie alt halten Sie dort die Frau mit dem verbrauchten, zermürbten Gesicht? 28 Jahre zählt sie. Der Mann ist russischer Soldat. Seit 12/ז Jahren hat sie nichts von ihm gehört. Lebt er? Ist er

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