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Jeschurun · 1917-02-01 · Heft 2 (Februar 1917) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 2 (Februar 1917)
Date
1917-02-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Schiller als Bibelklär er. 93 Worten berichtet: ״Abel ward ein Hirt und Kain ein Ackers* mann“, das wird ihm zum echten Drama, zu einer aus dem Lebensschicksal und den daraus gebildeten Charakteren mit Not- Wendigkeit sich ergebenden Handlung. In der Verschiedenheit der Lebensweise erkennt Schiller den unvermeidlichen Anstoß zu schwersten Conflikten. Nachdem er dargetan, auf welchem Wege der erste Mensch zum Bauern und zum Hirten wurde, weist er auf den gewaltigen Unterschied zwischen beiden hin: der Hirte frei, von Jahreszeit und Witterung unabhängig, in fröhlichem Müßiggang gleichförmig genießend; der Bauer dagegen sklavisch an den von ihm bepflanzten Boden gebunden, mühselig arbeitend, das harte Erdreich mit seiner Hand aufreißend, besäend und bewässernd, und dabei um die Frucht seines Fleißes stets bangend, von den wilden Tieren und der Gewalt der Elemente bedroht und gar oft schwer geschädigt! Da mußte sein Gemüt hart und rauh werden, den Hirten mußte er beneiden, wegen seines Glückes ihn hassen, und wegen seines Müßiggangs ihn verachten; und wenn der nun gar einmal, sorglos, wie sein Beruf ihn machte, seine Herde in die Pflanzungen des Ackermanns ihren Weg nehmen ließ — nun, so mußte er ihm gleich einem feindseligen Baubtier erscheinen, von dem er in seinem Haß mit einem mörderischen Schlag der Keule sich befreite. ״So traurig endete die erste Kollision der Menschen“; und alles verstehen heißt eben alles verzeihen. — In der Bibel folgt nun, nach den Geschlechtsregistern, der Sintflutbericht, eingeleitet durch einige merkwürdige Verse (Kap. 6, V. 1—4), die von den ״Söhnen Gottes(?)und den ״Töchtern des Menschen“ erzählen, und den Nefilim (Biesen?)- die aus der Verbindung beider entsprangen; ״das sind die Gewaltigen“, erklärt die Bibel, ״die in grauer Vorzeit der berühmten Männer waren“. Diese dunkle Bibelstelle hat Schiller zu einer interessanten Deutung angeregt. Er sieht in ihr den Übergang von der durch die ־ursprüngliche reine Monogamie bedingten Standesgleichheit zu neuen Verhältnissen, hervor gerufen durch illegitime Verbindungen der ״Sohne der Mächtigen“

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