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Jeschurun · 1917-02-01 · Heft 2 (Februar 1917) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 2 (Februar 1917)
Date
1917-02-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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92 Schiller als Bibelklärer. dem Paradies folgenden, 4. Kapitel der Genesis die Stellen, die Schiller hier vorschweben: da ist die Rede vom ersten Zeltbewohner (V. 20), vom ersten Harfen- und Flötenspieler (V. 21), vom ersten, der Gegenstände aus Kupfer und Eisen zu hämmern verstand (Y 22). An die Vertreibung aus dem Paradies reicht die Bibel die Familiengründung des ersten Menschenpaares: Kain und Abel werden geboren. Daran anknüpfend entwickelt Schiller die einzelnen Phasen des ״häuslichen Lebens“. Mit dem ersten vom Weib geborenen Kind fängt einerseits der mächtigste Bildungsfaktor des Menschengeschlechts, die Tradition, die Begriffsüberlieferung an, wirksam zu werden, andererseits ergibt sich von selbst eine stetig fortschreitende sittliche Veredelung innerhalb der Familie. Es entsteht die Eltern-, und daraus rückwirkend die eheliche Liebe: Mann und Weib gelangen aus bloß sinnlichem Wohlgefallen aneinander zur gegenseitigen Hochachtung von der Pflegerin und vor dem Ernährer des geliebten Kindes. Es tritt die Geschwisterliebe hinzu; Mann und Frau sehen ihr eigenes Gefühlsleben außer sich, in einem ״jugendlicheren Spiegel“ wieder — und so erwacht eine ganz neue Empfindung, die den bis dahin lediglich auf Gegenwart und Vergangenheit gerichteten Sinn auch auf die Zukunft hinlenkt: es erwacht das Gefühl der Hoffnung, und damit eine unendliche Steigerung des Gefühlslebens überhaupt; ״jede künftige Freude wurde jetzt mit zahlenloser Wiederholung in der Erwartung vorausempfunden“, sagt Schiller, in meisterhafter Definition des Begriffes Hoffnung. Jetzt war die Gefahr eines Rückfalls des Menschen zum Tiere endgiltig beseitigt. Doch gerade daran läßt uns der einzige Bericht der Bibel aus dem Leben der beiden Brüder mehr als zweifeln. Kindheit und Jugend Kains und Abels werden übergangen, und sofort der schreckliche Brudermord erzählt: stand der Mörder denn noch über, stand er nicht unter dem Tiere? Da setzt nun die ganze Kunst Schillers, zwischen den Zeilen zu lesen, die Menschenkenntnis des Dramatikers und das soziale Verständnis des Historikers ein. Was die Bibel mit den wenigen

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