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Jeschurun · 1917-02-01 · Heft 2 (Februar 1917) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 2 (Februar 1917)
Date
1917-02-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Schiller als Bibelklärer. 91 aufbewahrt haben, ist er nicht vorbeigegangen und hat an der Universität Jena ״nach dem Leidfaden der mosaischen Urkunde“ Vorlesungen gehalten, die sich in seinen prosaischen Schriften unter dem Titel ״Etwas über die erste Menschengesellschaft“ zusammengefaßt vorfinden. In der biblischen Erzählung vom Paradies und Sündenfall, mit der er beginnt, erblickt Schiller ein ganz besonderes und hervorragendes weit- und kulturgeschichtliches Moment angedeutet: den Übergang von dem ״als Pflanze und Tier vollendeten״ Menschen zu einem willensbegabten Vernunftwesen, das aus der Vormundschaft des Naturtriebs heraustritt, den bloßen Instinkt überwindet und zur Selbsttätigkeit, zum ersten Anfang seines moralischen Daseins sich emporhebt. ״Dieser Abfall des Menschen vom Instinkte, der das moralische Übel zwar in die Schöpfung brachte, aber nur um das moralische Gute darin möglich zu machen, ist ohne Widerspruch die glücklichste und größte Begebenheit in der Menschengeschichte“. Mit gutem Hechte nennt der Volkslehrer diese Begebenheit den Fall des ersten Menschen, denn, wie Schiller so geistvoll sagt, derselbe wurde aus einem glücklichen Instrument ein unglücklicher Künstler; aber mit gleichem Hechte nennt es der Philosoph einen Biesenschritt der Menschheit, daß dieselbe das Paradies der unverdienten Unschuld und der Unwissenheit verließ, um sich, allerdings im Verlauf von Jahrtausenden, zu einem Paradies der Erkenntnis und der Freiheit emporzuarbeiten. Nun hieß es kämpfen und arbeiten: ״Feindschaft setze ich zwischen des Weibes und deiner Gattung“, spricht Gott zur Schlange, ״im Schweiße deines Angesichts sollst du Brot essen“, spricht er zum Menschen. Aber dieser Kampf zwischen ihm und den Tieren ließ den Menschen zu seiner Verteidigung Waffen erfinden und zu seiner Sicherheit feste Wohnstätten errichten; andrerseits die harte Bodenarbeit wurde hundertmal vergolten durch geistige Freuden und innere Befriedigung über das vollbrachte Werk — bei Harfen- und Flötenspiel ruht der Müde von der Arbeit aus und schläft unter selbstgebautem Dach einen süßen Schlaf. (Leicht findet der Bibelkundige in dem, der Vertreibung aus

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