Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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82 R. Gamliel und R. Josua. Judenheit eine Gefahr vor. Die lag auf einer ganz anderen Seite1). Es war die Minim-Gefahr, welche das Judentum bedrohte und die abzuwenden R. Gamliel den größten Teil seiner Tätigteit widmete. Nur wenig Anhänger fand im Anfang die neue Lehre, es waren nur 120 (Apostelgesch. 1, 15.), aber sie fand bald größeren Zulauf, als die Apostel, zuerst Petrus, mit der Propaganda begannen. Sie war umsomehr den Juden leicht gemacht, als im Anfang nichts im Gesetz geändert wurde (Math. 5, 17.), das Hauptmerkmal für die neue Lehre war nur der Glaube an die Messianität Jesu. Alles andere blieb bestehen: Beschneidung, Speiseverbote, Keuschheitsgesetze usw. Ja selbst die Heiden, die in die Gemeinde wollten aufgenommen werden, mußten sich vorher der Beschneidung unterwerfen und ein Bekenntnis auf die mosaische Lehre ablegen. Aber dem Juden- Christentum folgte bald das durch Paulus propagierte Heiden- *) Der Versuch Grätz’ (Gesch. d. Jud. m Ende u. IV Anfang) die Schulen Hillels und Schammais zu politischen Parteien, Kriegs u. Friedenspartei, zu machen und aus einer Stelle in Talm. jer. eine Verschwörung der Schammaiten gegen den Patriarchen heraus zu konstruieren, ist von S. R. Hirsch überzeugend widerlegt. (Jeschurun H. S. 47 ff.) Wie Weiß gar auf den kühnen Gedanken kommt, man habe sich mit der Zeit gegen den Verdacht verteidigt Schammaite, zu sein, ist ganz unbegreiflich. Man lese nur die Stelle in Jebamoth 16 a nach, auf die sich Weiß bezieht, und man wird von der Unzulässigkeit, sich auf sie zu berufen, überzeugt sein. Man fragt bei R. Dose ben Harkinas an, ob es wahr sei, daß er im Schammaitischen Sinne in der Frage von ברת דבת& entschieden habe, was er verneint, da er doch nicht der Schule Schammais sondern der Hillels angehöre, man müsse es wohl im Namen seines Bruders gehört haben, der der Schule Schammais angehöre. Wie man daraus herauslese■, kann, daß man sich dagegen verwahrte, Schammaite zu sein, ist unbegreiflich. (S. Weiß Einleitung zu Mechiltha S. VHI). Übrigens war keiner auf eine Schulmeinung eingeschworen, bester Beweis R. Gamliel selbst, der in manchen Fragen sich auch der Schule Schammais anschloß (Beza 21b). Man wird doch dies nicht als »Vermittelungsversuch“ be־ zeichnen wollen, daß er eben einmal links und einmal rechts schrieb. — S. auch Jebamoth 16 b, wo wir lesen, daß R. Eleasar b. Zadok, obwohl ßlebammaite sich in all eu Dingen nach der Schule Hillels gerichtet habe.