Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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78 R. G-amliel und R. Josua. Entschieden anders liegt der Fall bei den zwei anderen Vorgängen, von denen uns erzählt wird. Hier ist anscheinend das Verfahren R. Gamliels nicht zu begreifen. Was ist denn hier geschehen? In zwei Fragen hat R. Josua anders entschieden, als es der Patriarch nach ihm getan. Einmal handelt es sich um zwei Fragen, zu denen der Patriarch gerade so steht, wie jeder der anderen Rabbinen, in denen jeder seine eigene Meinung behaupten kann, ehe die Halacha für die Praxis festgesetzt ist. Daß es sich hier noch nicht um festgelegte Gesetzesbestimmungen gehandelt hat. geht am deutlichsten daraus hervor, daß für die zweite Frage nach der Verpflichtung zum Abendgebet halachisch die Meinung R. Josuas festgelegt worden ist. Was hat also R. Josua verbrochen? Betrachten wir aber die Fälle noch weiter; in beiden Fällen wenden sich die Fragesteller an R. Josua, der ihnen die Frage nach der erleichternden Seite, dann an R. Gamliel, dessen Ausspruch erschwerend entscheidet, und auf die Bemerkungen der Fragesteller hin, daß R. Josua sie anders beschieden habe, heißt er sie warten, bis die Gelehrten und die Zuhörer beisammen seien, um vor der 0Öffentlichkeit diesen zu tadeln. Und wie ergeben ist das Verhalten R. Josuas Dem Patriarchen gegenüber bleibt er nicht bei seiner Meinung, sondern konstatiert, daß keiner dem Patriarchen widerspreche. Und wenn noch R. Gamliel zuerst entschieden hätte und dann R. Josua entgegengesetzt entschieden, dann ließe sich vielleicht, aber auch nur vielleicht, ein gesetzlicher Grund für die Mißbilligung des Patriarchen finden, aber hier liegt die Sache doch ganz anders. Wie war das persönliche Verhältnis dieser Männer zu einander? Daß es ein sehr gutes und freundschaftliches gewesen ist, bezeugen alle auf sie bezüglichen Stellen im Talmud und Midrasch; die Trübung trat erst mit dem Vorgehen des Naßi gegen den Ab bethdin in der Angelegenheit der Monatsbe- Stimmung ein, so daß die Spannung ein Jahr lang bis zur Ab- Setzung des R. Gamliels anhielt1). *) Daß die Vorgänge, die den Unwillen der Volksmenge hervor-