Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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R. Gamliel und R. Josua. 77 kinzu, ״Nein!״ antwortete R. Josua. »Aber man hat mir doch gesagt, daß du entschieden hättest, es sei ein freiwilliges Gebet, so steh auf, man wird es dir beweisen!44 R. Josua gestand ein und nun mußte er stehend den Vortrag anhören, bis das Volk unwillig wurde und dem Sprecher gebot aufzuhören. Damit war es aber nicht getan. ״Wie lange soll der Patriarch den R. Josua noch kräuken? Vergangenes Jahr kränkte er ihn am ßoschhaschanah, dann war es der Fall des R. Zadok und heute quält er ihn wiederum, laßt uns den R. Gamliel seiner Naßi. würde entsetzen!״ Und so geschah es auch. Das scharfe Auftreten des Patriarchen in der Angelegenheit der Neumondfestsetzung kann uns nicht befremden. Diese war das eigentliche Dominium des Patriarchen und seines Geriehtshofes und an diesem durfte auch nicht durch eine Zweifelsäußerung gerüttelt werden, denn selbst ein nachgewiesener Irrtum oder eine Absichtlichkeit konnte an der Bestimmung nichts ändern ('אתם אפי' שעגין ובו). Und dies war eine Notwendigkeit, denn die Kalenderbestimmung war eine gar difücile Sache. Wie schon Kuthäer und Sadduzäer Verwirrung in sie zu gunsten ihrer Schriftdeutung zu bringen suchten, ist bekannt. Darum mußte jeder Äußerung, die der Autorität des Patriarchats in dieser Angelegenheit in den Augen der Menge Abbruch tun konnte, mit Energie entgegengetreten werden Ob es dem R. Josua gegenüber gerade so geschehen mußte, wie es R. Gamliel getan, ob er sich nicht auch hier in den Mitteln vergriffen, wie es zweifellos in den beiden anderen Fällen geschehen war, das braucht hier nicht erörtert zu werden. Aber eines ist zu bedenken: die Anzweifelung der Glaubwürdigkeit der Zeugen ging doch garnicht von R. Josua, sondern von dem alten R. Dosa aus, dem R. Josua alsdann zustimmte. "Warum wendet sich dann der Zorn des Patriarchen nur gegen diesen? Man könnte allerdings erwidern, daß R. Dosa hochbetagt war, dem auch der Patriarch einen Verweis zu geben sich nicht erlaubte und daß gerade die Autorität des vielgeltenden und als Sprecher der Gesamtheit oft auftretenden R. Josua den Patriarchen veranlaßte, einen Einfluss auf das Volk in dieser Frage zu verhüten.