Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292969-2292972--01937-2295200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
R. Gamliel und R. Josua. 75 führungen über das Bildungsproblem in der Ostjudenfrage laufen auf den einen Gedanken hinaus, daß es der Verhängnisvollste Fehler wäre, das westeuropäische Schulwesen nach Osten zu verpflanzen, daß der Cheder die Schule des osteuropäischen Judentums bleiben muß, weil er allein die Erhaltung der sittlichen Qualitäten garantiert, die das künftige Geschlecht vor einem wurzellosen, politisch und sittlich radikalen Bildungspröletariat allein zu schützen vermöge. ~Wie innerhalb des Cheders ohne Gefährdung des Thorawissens den Forderungen einer elementaren Profanbildung, ja einer gewissen Realschulbildung Genüge geschehen könne, habe ich dort ausführlich in dem dritten Artikel, der den Cheder als das Ideal einer Einheitsschule schilderte, zu zeigen versucht. (Ein dritter Aufsatz folgt). J. W. ijjllüüiülltllüii R. Gamliel und R. )osua. Von Prof. A. Sulzbach, Frankfurt a. M. Das schroffe Vorgehen R. Gamliels II. gegen R. Josua im den bekannten drei Vorkommnissen, von denen uns der Talmud erzählt, ist auf den ersten Blick sehr auffallend. Aber noch auffallender zeigt es sich uns, wenn wir diese Vorgänge eingehender prüfen, denn da stoßen wir auf manches, was uns die Handlung R. Gamliels als geradezu rätselhaft erscheinen jäßt. — Hören wir die Berichte des Talmud. R. Josua bezweifelte die Richtigkeit einer Zeugenaussage, auf welche hin R. Gamliel kraft des ihm zustehenden Rechts den Neujahrstag festgesetzt hatte. Auf diese Anzweifelung hin, befiehlt der Patriarch dem R. Josua, in Reisekleidern mit dem Wanderstab und Geld im Beutel vor ihm in Jabne zu erscheinen an dem Tage, auf welchen nach dessen Berechnung der Jom hakippurim fallen mußte. Erst auf Zureden der Freunde fugte sich R. Josua schweren Herzens dem Befehl. — (Mischna Ifcesch hasch II, 8, 9).