Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehungsfra^en in Ost und West. 73 ans andere Wege gehen. Wie würde man ihm auch in seinem Bestreben, Glauben und Wissen mit einander zu versöhnen, folgen, wenn man nur irgendwie sich zu der Anerkennung gezwungen sähe, daß er in den Geist der Zeit eingedrungen ist. Die Entwickelung, die das Judentum in Westeuropa genommen, sollte uns eine Warnung sein. Man kann mit Hegel sagen, alles was ist, ist vernünftig und die Schuld an allen Zuständen der Selbstentwickelung des Absoluten zuschieben. Der Jude glaubt daran, daß er selbst seines Geschickes Meister ist. Und da können wir es doch nur als eine Schuld ansehen — nennen wir es eine tragische Schuld — daß in der Mendelssohnschen Periode nicht die großen Führer des gesetzestreuen Judentums den Weg bei der ÜberleLung des Judentums in eine neue Periode landen, den ihnen in früheren Zeiten die geistigen Führer vorausgegangen. Wie ähneln doch die Gährungszustände der damaligen Zeit in Deutschland so ganz denen, von denen jetzt besonders Rußland heimgesucht wird. Entweder — oder! Haben die Bamberger und Lehmann, die Hirsch und Hildesheimer das Rechte getan, so mußte auch zwei, drei Menschenalter früher ein solches Verfahren das Richtige sein. Daß sie nicht absolut Gutes geschaffen und das Ergebnis, das wir in dem gesetzestreuen Judentum Deutschlands vor uns haben, wahrlich nicht für das Ostjudentum erstrebenswert ist. darüber wird noch eingehend zu reden sein. Aber die Verantwortung dafür fällt voll und ganz auf die Männer vor ihrer Zeit. Sie hatten ihnen ein Erbe hinterlassen, das so winzig war, daß überall Neues geschaffen werden mußte. Wieviel leichter wäre es gewesen, und wie erfolgreicher hätten *ie gewirkt, wenn sie überall blühende, fromme Gemeinden vorgefunden. Um nur einen scheinbar unbedeutenden Punkt m erwähnen. ־Wie mühen wir uns ab, den Vätern heute klar m machen, sie müßten ihre Söhne nach Absolvierung der Schule, bevor sie ins praktische Leben treten, zum mindesten noch ein Jahr Gemoroh lernen lassen. Wie wenig hat der Appell gewirkt. Ein ganzes Jahr des Lebens einem rein ide-