Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehungsfragen in Ost und West. 72 schnitt nicht die beiden Wissensgebiete sich in gleicher Weise aneignen kann, um in der Harmonisierung Schöpferisches zu gestalten, daß nicht einmal eine irgendwie beträchtliche Zahl das Ziel erreichen wird, ist klar. Daß aber unsere Zeit so dekadent, daß es ihr unmöglich wäre einige wenige solcher Persönlichkeiten hervorzubringen, das lassen wir uns nicht einreden. Die Probe aufs Exempel kann aber natürlich so lange nicht gemacht werden, als alle Talmud jünger und gerade die hervorragendsten sich hermetisch von den Eiementen der allgemeinen Bildung abschließen. Wir wollen uns doch nicht die Augen davor verschließen, daß die Zustände schon seit Jahrzehnten völlig unhaltbar sind, und wenn es so bleibt, immer weiter ins Verderben führen. Der Vater ein Chassid strengster Observanz; die Kinder, entweder ohne jede Erziehung, sodaß vor allem die Töchter nur die Schattenseiten des Halbasiatentums zeigen, oder, wenn sie eine höhere Schule besuchen, der Religion ihrer Väter bis auf den letzten Rest entfremdet, im besten Falle zio־ nistisch orientiert, religiös aber theoretisch und praktisch dem gesetzestreuen Judentum völlig verloren sind. Unendlich groß ist noch relativ im Verhältnis zum v/esteuropäischen Judentum die Zahl der Thorajünger, aber die Natur kann man nicht mit der Gabel austreifcen und die Natur bedeutet auch hier die Anpassung an die Umgebung, sie wird und muß dazu führen, daß die Zahl der Intelligenten, die aus reinem Idealisraus der Weitbildung sich in die Arme werfen, immer größer wird, wenn nicht gefördert durch ihre Erzieher so im erbitterten Kampfe gegen diese Erzieher und als natürliche Folge dem Radikalismus in die Arme getrieben. Und wie dankbar wäre die Aufgabe der großen russisehen Rabbonim. Denn sie hätten es wahrlich nicht nötig, sich die Autorität zu erringen, sie besitzen sie ja in einem Maße, von dem wir uns in Westeuropa kaum eine Vorstellung machen k önnen. Der russische Raw, der durch Thorakenntnis und Charakter unter seinen Genossen hervorragt, genießt eine Verehrung ohne Gleichen auch unter den Juden, die durch-