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Jeschurun · 1917-02-01 · Heft 2 (Februar 1917) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 2 (Februar 1917)
Date
1917-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Erziehungsfragen in Ost und West. 69 Mer mitreden darf, haben für uns nur historischen Wert. Wer die Methode des Ersteren heute in Anwendung bringen wollte, etwa die mechanische Zusammenzählung so und so vieler Beweise oder sich mit dem, was zur Zeit des Maimonides aäs wissenschaftliche Wahrheit galt, dem System des Aristoteles auseinandersetzen wollte und nun glaubte, er habe unserer Zeit genügt, der kann von dem, der mit der Methode und dem Wissen unserer Zeit vertraut ist, nicht so ernst genommen werden, daß er ihm irgendwelchen Einfluß auf sein Denken und Handeln einräumt. Ein Genie wie der Brisker Raw ה׳ יאריך ימיו ושנותיו gelangt auf seinem ureigensten Gebiet durch eine selten erlebte Verbindung von Beherrschung des Stoffes und Schärfe des Geistes intuitiv zu einer Methode der Talmudbehandlung, die von jedem modernen Denker bewundert werden muß. Ich habe nicht, sagen wir gut jüdisch, die זכיה gehabt, seinen viel bewunderten Talmudvorträgen lauschen zu dürfen, habe aber von seinen Schülern, die nur einen Abglanz dieser Größe zeigen können, genug gehört, um zu der Überzeugung zu gelangen, daß hier das Talmudstudium einen Charakter trägt, der es, rein methodisch betrachtet, neben jede Form der vollendeten Forschung in den Geisteswissenschaften stellt. Aber das vernunftgemäße Denken über das Wesen und den Inhalt der Religion erschöpft sich ja nicht in logischen Untersuchungen. Das vergangene Jahrhundert hat doch nun einmal dem Denken eine naturwissenschaftlich-historische Riehtang gegeben. Und alle Übertreibungen, die zu den mannigr fachsten Hypothesen und Theorien geführt haben, können doch nicht verhindern, daß diese Richtung eine außerordentliche Bereicherung des Denkens an sich gebracht hat, die für die Vertiefung der gedanklichen Erfassung der jüdischen Lehre fruchtbar gemacht werden muß. Vor allem aber ist eine Auseinandersetzung mit dem geistigen Gut, das sich außerhalb des Judentums angehäuft hat, völlig unmöglich: ohne die Beherrschung der neuen Methode und ein gewisses Maß von Kenntnissen aus den neu eroberten Wissensgebieten. Denn

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