Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Erziehung־sfrag־en in Ost und West. werden, daß ihr unbedingt begegnet werden muß. Daxrn tritt vor der zweiten Forderung, der der Verteidigung und Selbstbehauptung die 'erste, die der an sieh geforderten harmonischen Befriedigung aller Seelenkräfte zurück. Was ist nun im . Ost Judentum geschehen, um diesen beiden Forderungen, die in Wahrheit ja eine sind, Genüge zu tun? Nichts, auch nicht das Geringste, lautet die betrübende Autwort. Denn hier kommt ja selbstverständlich nicht die Tätigkeit der Maskiiim, der Aufklärer in Betracht, die fast au&- schließlich in religiös-destruktivem Sinne wirkten. Von keinem der Großen, deren das Ost Judentum eine schier un~ übersehbare Zahl sein eigen nennt, ist der Versuch gemacht worden, das Judentum, sein Wesen und seinen Jnhalfc, seine Lehren und seine Gesetze, auf Grund der Denkgesetze auf eine dem Denken unserer Zeit entsprechende Basis zu stellen, keiner hat es unternommen, sich mit dem Wissen unserer Zeit großzügig auseinanderzusetzen. Wir wollen auch hier zunächst ein eventuelles Mißverständnis wegräumen. Es fällt uns nicht ein, zu behaupten, daß von all diesen großen Talmudheroen das Judentum nicht in seiner Tiefe erfaßt wird, daß sie auf aille Fragen, 'die sich dem denkenden Menschen, beim Grübeln über religiöse Wahrheiten ergeben, nicht eine Antwort gesucht und gefunden. Wiewohl wir die glänzende Darstellung, die Herr Rabb. Weinberg auch in dieser Beziehung von den ״Jeschiwoth in Rußland“5) entwirft, nicht immer bestätigt gefunden haben. Urs sind eine Reihe von Rabbinern begegnet, die sogar mit einem gewissen Unterton der Genugtuung erklärten, sie hätten nie den More Nebuchim auf geschlagen. Doch das mag auf sieh beruhen. Wichtiger ist es, darauf hinzuweisen, daß nie und nimmer von der Erfüllung der beiden obenerwähnten Forderungen die Rede sein kann, wenn man nicht das Wissen seiner Zeit in sich aufgenommen und verarbeitet hat, vor allem die Forschungsmethoden der eigenen Zeit beherrscht. Saadja und Maimonides, daran zweifelt doch Keiner, der überhaupt 5) Jeschurun III, S 52—59 und S. 107—126 bes. S. 122.