Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehungsfragen in Ost und West. 67 Polens auf die kurze Formel bringt, jene seien Gegner und{ diese Verächter der Bildung• Es ist ebenso treffend, wenn er zeigt, daß die Chassidim in einer Welt leben, die an Gedanken und Gefühlsreichtum viel tiefer ist als die der sie umgebenden gemeinen Wirklichkeit, wenn seine Bemerkung, daß ״wir am Werk sind eine höhere Geisteskultur durch ein materielles Bildungsideal zu ersetzen“3) auch durchaus unzutreffend ist. Aber Herr Eabb. Weinberg, der vor allen zu einer richtigen Problemstellung beitragen will, der sich darüber beklagt, daß die gedankliche Durchdringung des Problems an der Oberfläche haften bleibt4), geht an dieser Grundfrage des Problems mit wenigen Worten vorbei. Alle ״Schulfragen im Ostjudentum“ schweben ja in der Luft, wenn jene Grundfrage nicht gelöst ist, die Grundfrage, wie setzen wir zum mindesten die künftigen geistigen Führer des Judentums in den Stand, Glaube und Wissen harmonisch zu vereinen, — wenn wir scüon von unserer gesamten Jugend nicht reden wollen, — wie schaffen wir in ihnen den Typus des vollendeten Juden. Es widerstrebt einem Menschen von leidlichem Geschmack, oft Gesagtes noch einmal zu sagen. Aber es ist Iieider nötig, will man nicht in Gefahr laufen, immer wieder mißverstanden zu werden. Zweierlei Forderungen sind dem Juden gestellt, wie das unsere Eeligionsphilosophen oft genug hervorgehoben haben. Den Inhalt der überlieferten Eeligion sich vernunftgemäß anzuzeigen, ein in sich widerspruchsloses Gebäude der überlieferten Wahrheiten auf zurichten einerseits und andererseits diesen geistigen Besitz gegenüber jedwedem möglichen Angriff von außen zu verteidigen und zu behaupten. Das erste ist eine Forderung, welche die Eeligion an sich an uns stellt und wäre darum ganz unbekümmert um alle äußeren Umstände zu erfüllen, während das Zweite nur ein Zugeständnis an die Not der Zeit ist. Diese Not mag freilich in gewissen Perioden so groß •) A. a. O. S. 602. 4) A. a. O. S. 446. 5*