Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Erziehungsfragen in Ost und West. erhalten und es ihrer Umgebung und allen, auf die sie Einfluß gewinnen können, zu vermitteln die Fähigkeit und die Kraft besitzen. I. Wir könnten die Anschauungen, die im Osten die herrsehenden sind und die Zustände, die sich hier herausgebildet haben, nicht besser charakterisieren als wie es in den Auf- Sätzen des Herrn Rabb. Weinberg ״Schulfragen im Ostjudentum“ in dieser Zeitschrift geschehen ist1). Aber auch die Verwirrung, die hier herrscht, nicht schärfer hervorheben als durch eine Kritik eben dieser an sich ausgezeichneten Aufsätze. Der Vf. sagt am Schlüsse seiner Ausführungen: ״Kraftvolle und willens- und geistesstarke Juden sollen unsere Kinder sein, die Thora aber soll ihnen der Tugenden höchste sein! Wir wünschen auch, daß ihnen nichts, was der Menschengeist geschaffen, fremd bleibe.“ D. h. er verlangt also eben die Vereinigung von Glauben und Wissen, die wir oben als das Endziel, zu der die jüdische Erziehung hinstreben muß, hingestellt haben 2). Aber der ganze Inhalt seiner Aufsätze läuft darauf hinaus, den Beweis zu erbringen, daß dies Ziel nicht erreichbar und was noch seltsamer anmutet,, daß es auch nicht zu erstreben ist. Es ist sehr verdienstvoll von ihm, daß er dem deutschen Leserpublikum vor Augen hält,— was frei ich für den Kundigen nicht nötig ist, — daß man den ״litauischen Rabbinern, diesen Intellektualisten par excellence schwerlich Furcht vor der Vernunft nachsagen könne,“ daß ihre Abneigung gegen die Beschäftigung mit den profanen Studien der Besorgnis entspringt, das Thora- Studium könne dadurch aus seiner alles beherrschenden Stellung gedrängt werden. Es ist ebenso feinsinnig zugespitzt, wenn er den Unterschied zwischen den Juden Litauens und ג) Jeschurun III, S. 4i5 — 458 ־und S. 490—505. 2j Wir werden später auseinander setzen. daß wir zu diesem Endziel alle unsere Kinder nicht hinfiihren wollen, weil wir sie zu ihm nicht liinführen können