Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Die Judenfrage. würdige Midraschstelle hingewiesen, die wie eine Erläuterung zu einem Vers unseres Gedichts klingt. Zu den Worten ואחזי בה (Ruth Cap. 3. V. 15) bemerkt Midrasch Ruth Rabbah (Abs. 7) ״ מלמה •כרזנרה מחניה ■כזכרdas lehrt dich, daß sie ihre Lenden hochgegürtet trug wie ein Mann“. Klingt diese Auslegung nicht wie eine Randnote zu dem הגהה בעז מחניה unseres Gedichts? ״Ein unschätzbares Stück biblischer Sittenlehre“ nennt Delitzsch das Lied von der wackeren Frau. Und es bedeutet keine Verkleinerung dieser Sittenlehre, wenn man ihre Verkörperung in der Lichtgestalt der Stammutter des Davidschen Königshauses, in der ״Moabiterin“ Ruth sucht und wiederfindet. Sie aber hat unter den Töchtern Israels allzeit würdige Nachfolgerinnen gefunden! Die judenfrage. Von Harry Levy, Berlin. Reflexion trägt immer Krankheitsfarbe. Den wahrhaft Schaffenden füllt ganz die Gegenwart und ihre Pflicht. Und wem noch ein starker Sinn, eine starke Kraft das Leben führt, dem kann auch seine Stellung in der Umwelt niemals problematisch sein. Er schafft sich seine Umweit selbst. Den umgekehrten Weg muß der durchwandern, der die eigene Sicherheit verloren. Er durchspäht, durchforscht die Umwelt, um dadurch sich selbst zu finden, zu entdecken. In dieser Lage aber lebt der weitaus größte Teil der Juden Westeuropas. Sie erleben ihr Judentum als physischen Widerstand, bevor es ihnen noch geistiger Besitz geworden ist. Sie stoßen täglich auf den Juden, sie stolpern, fallen darüber, man sieht die Judenfrage und fragt dann nach dem Judentum. Denselben Aufbau zeigen in ihrer historischen Entwicklung auch die beiden jüd. Weltanschauungsgruppen. Zionismus und Assimilation. ״Die Lösung der Judenfrage“ galt es zunächst. Die Reibungsfläche zwischen Jüdischem und Nichtjüdischem (der Kern der äußeren Judenfrage) soll auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Erst dann wird