Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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58 Das Lied vom wackeren Weib. der Volksgemeinschaft zu stoßen. Zwar hatte dieser Kampf endlich mit dem Siege Davids geendet; aber noch an den Stufen des Throns, den nach seinem Tode Salomo einnahm, standen die Männer, die Davids Leben und Ehre bedroht und hinter der heuchlerischen Maske des Gesetzeswächtertums ihre nur allzu selbstsüchtiger! Pläne betrieben hatten. Den vollen Sieg über sie davonzutragen, war erst Salomo besehieden; erst seiner Klugheit gelang es nach und nach alle die falschen Freunde, die ihm ins Gesicht schmeichelten und ihn hinter dem Rücken verleumdeten, unschädlich zu machen; erst in seinen Tagen verstummte der Anwurf, der gegen seines Vaters und gegen seine Ebenbürtigkeit geschleudert worden war. ,,Die Moabiterin Ruth“ — das Wort diente fürder nicht mehr der verdeckten Bosheit als Waffe, die ihre Spitze gegen den Königsthron richtete, sondern es war zu einem Ehrenmal geworden, das die Summe der Vorzüge edelster Weibüchkeit umschrieb. Die Moabiterin Ruth ist aber auch d a s M 0 d e 11, dasSalomo für die Zeichnung seiner אצה היל und damit seinen dynastischen Interessen diente; ihre Züge hat er in seinem Frauen- Spiegel wiedergegeben, an diesem Bilde seinem Volke es darzutun unternommen, daß die Stammutter ihres Königshauses keine Unwürdige, keine Unebenbürtige sei, die sich den Eintritt in die Volksgemeinschaft Israels erschleichen mußte, sondern daß sie erhobenen Hauptes im Bewußtsein ihres Werts zu ihnen kommen durfte, denen sie gab, indem sie nahm. Ein Hymnus auf die vielgeschmähte, endlich anerkannte Moabiterin ist Salomo *s Gedicht; eine Huldigung des Enkels an die Ahnin. Diese Auffasung erhält aber ihre Stütze auch noch durch einige sprachliche und exegetische Beobachtungen. Das Wort היל bezeichnet sonst überall, wo es vorkommt, die Stärke, Tapferkeit und Tüchtigkeit, Eigenschäften, die ihrem Wesen nach männlich sind und auch nur Männern gebühren. Nur an drei Stellen wird es in Verbindung zum Weibe gesetzt, nämlich außer hier und noch einem zweiten Mal in Mischle (Cap. 12 V. 4) nur noch einmal in