Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Lied vom wackeren. Weib. 57 umhin kann, ohne dazu Stellung zu nehmen, sie zu registriren. Ja, selbst unter den nicht jüdischen Erklärern fand, wie Delitzsch (a. a. St.) angiebt, diese Richtung ihre Vertreter. II. Die Tatsache, daß die Tendenz des ,,Frauenspiegels“ so ganz und gar nicht mit der Auffassung vom Wert des Weibes, der wir sonst bei König Salomo begegnen, übereinstimmen mag, hat die Erklärer bewogen, in ihm eine anmutige Hülle, hinter der sich ganz andere Ideenkreise bergen, zu erblicken. Gelänge es aber, ein tieferliegendes Motiv, das den weisen König zum Lob des wackeren Weibes bestimmte, aufzudecken, so wäre jene Schwierigkeit gelöst und damit jeder Anlaß dem Sinn Zwang anzutun, beseitigt. Mit anderen Worten: Alle Rätsel lösen sich und alle Fragen finden ihre Antwort in dem Augenblick, wo man nicht mehr anzunehmen gezwungen ist, daß sich in Salomo plötzlich eine Umwertung seiner allgemeinen Einschätzung des Weibes, die unverständlich wäre und bliebe, vollzogen habe, sondern die Identität der Züge seines Gemäldes mit denen eines Weibes von Fleisch und Blut, an deren Hochschätzung er ein wohlerwogenes Interesse hatte, festzustellen vermag. Diese Aufgabe ist aber gar nicht einmal allzuschwer. Wir wissen aus zahlreichen Stellen des Talmuds, daß König David sein ganzes Leben hindurch einen harten Strauss, bei dem von seinen Gegnern und Hassern mit vergifteten Pfeilen gekämpft wurde, um die Legitimität seiner Abstammung zu führen hatte. Denn seine Ahnin war ja die Moabiterin Ruth, der Abkömmling also eines Volks, das durch ein absolutes Eheverbot von der Aufnahme in den jüdischen Volkskörper ausgeschlossen war. Nun lehrte zwar die Tradition, daß sich dieses Verbot nur auf die Männer aus jenem Volksstamme, nicht aber auch auf die Frauen erstreckte; aber gerade diese Tradition war lebhaft umstritten und die Parteigänger des Säuischen Königshauses bedienten sich nur allzu eifrig dieses Hebels, um David nicht nur vom Thron, sondern sogar aus