Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Das Lied vom wackeren Weib. Bereschith 1 und Reeh 13) liefert, Vers 16 auf das Studium der Thorah in der Nacht [Rabbah Wajikra Cap. 19, Schir ha-Schirim zu Cap. 5 V. 11] bezogen, und Vers 29 auf Moscheh übertragen wird (Rabbah Schemoth Cap. 52, Tanch. wesoth ha־berachah 1). Den weitesten Gebrauch aber macht naturgemäß von dieser Methode das Soharbuch, welches an nicht weniger denn sechsunddreißig Stellen Verse aus unserem Kapital anzieht und sie mit den heterogensten Dingen in Beziehungen zu setzen weiß. Und endlich der Midrasch M i s c h 1 e begnügt sich nicht mit einer allegorischen Auslegung einzelner Verse, sondern umfaßt das ganze Kapitel mit zwei Erklärungen dieser Art. Die erste spricht kurzweg als die אשת היל unseres Gedichts die Gotteslehre Israels an; sie ist von weiteren Fernen als die Perlen, sie ist aus den höchsten Himmelsregionen durch Moscheh zur Erde niedergeholt worden. Die einzelnen Verse werden dann auf die Thoralehrenden und die Thoralernenden ausgedeutet und deren Ueberlegenheit sogar über die Patriarchen, die noch nicht im Besitz der ganzen Gotteslehre, sondern nur weniger Gebote waren, gefeiert. — Die zweite Erklärung kommt der einfachen Wortauslegung schon näher; sie erblickt in dem ״wackeren Weib“ nicht mehr blutleere Ideenformationen, wie die erste, sondern die edlen, frommen, weisen und züchtigen Frauengestalten der Bibel und läßt sie wie in einer Revue, deren erstes Bild die Züge unserer Stammutter Sara, deren letztes die der Moabiterin Ruth trägt, vor unseren Augen zum Leben erstehen. Von den hebräischen Commentatoren bietet Raschi ebenfalls zwei Erklärungen dar; die eine begnügt sich mit einer Wort- und Sinnerläuterung, während 1•die zweite der Neigung zur Allegorie nachgibt und, dem Midrasch Mischle folgend, das ganze Kapitel auf die Thora und ihre menschenbeglückenden Eigenschaften bezieht. Und diese Neigung zur bildlichen Auffassung beherrscht, m. W. ausnahmslos, die gesamte commentatorische Tätigkeit bis herab zum Verfasser des Biur, ,der sich zwar davon freimacht, aber trotzdem nicht