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Jeschurun · 1917-01-01 · Heft 1 (Januar 1917) · page 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 1 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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Das Lied vom wackeren "Weib. 55 an Bildern voll abschreckendster Züge, aus dem Kampf der Geschlechter mit einander. Und auch da, wo der Spruchdichter sonst das edle Weib mit Lob bedenkt, geschiehtes mit einem deutlichen Seitenblick auf das andere, das schleckte, unedle, männerverderbende, so daß man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß die hier und da aufgetragenen lichten Farben nur dazu bestimmt sind, die Schatten auf den anderen Stellen des Gemäldes um so schärfer und erbarmungsloser hervortreten und einwirken zu lassen. ’Nun spricht ja allerdings der erste Vers unseres Gedichts ebenfalls eine gewisse Reserve im Lobe dadurch aus, daß er den Besitz einer אש7 חיל als seltener denn Perlen bezeichnet. Aber man gewinnt doch den Eindruck, daß diese offensichtlieh übertreibende Wendung nur mehr den Zweck hat, den Wert des wackeren Weibes zu erhöhen, wie dem Edelgestein seine Seltenheit zur Preiserhöhung dient, ohne seine Vorzüge zu erschöpfen. Wie ganz anders in ihrer stählernen Härte klingen dagegen, daran gemessen, Werturteile über die Frau von der Art von Köhelet 7. V. 26 und V. 28, denen siel) auch gerade aus den Sprüchen zahlreiche gleichartige an die Seite stellen lassen?! Gewiß nicht zuletzt auf Rechnung dieser Schwierigkeit dürfte es zu setzen sein, daß fast allgemein eine Ausdeutung des ganzen Kapitels oder wenigstens einzelner Verse aus demselben im Sinne einer Allegorie beliebt wurde; man wußte im Rahmen der Salomonischen Menschen- und Weltauffassung zu wenig mit einem so unbegrenzten Lob der Frau anzufangen, daß man mit der wörtlichen Erklärung unmöglich auskommen zu können glaubte. Im Talmud begegnen wir dieser Methode allerdings nur an einer Stelle (Sanh. 20 a), wo Vers 29 und 30 zuerst auf Joseph, Boas und Palti b. Lajisch, dann auf die Zeitalter des Moseheh, Josuas, Chiskiahus und des R. Jehuda b. Hai ausgedeutet werden. Desto reicher entwickelt finden wir sie in den Midraschim, wo, gleichsam gegeben, Vers 25 Stoff für Betrachtungen über .Lohn und Strafe im Jenseits (Rabhah. Schemöth Cap. 52, Tanch.

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