Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Professor Kittels Obergntachten. 49 sehen und in dieser väterlichen Angst“ sprach er das Wort; ״Daß der Mensch' nur nicht seine Hand ausstrecke und auch vom Baume des Lebens nehme und esse und immerdar lebe!“ Aber nicht hatte er ״Angst“, wie Prof. K. sich ein^ bildet, davor, daß die Menschen nun gar noch das ewige Leben sich aneignen könnten, nämlich ein den Engeln und ihm selbst gleiches. ,Vor der Aneignung eines verdammten, dem Satan gleichen ewigen Lebens hatte er ״Angst“, davor wollte sie Gott, der die( Liebe ist, bewahrt sehen. Prof. K. kennt natürlich solche von der positiven Theologie, darunter von Delitzsch, einem׳ der nach Kittels eigenem Zeugnis (S. 71) ״größten Exegeten des Alten Testaments“, gegebene Auslegung unserer Genesisstelle; er ignoriert sie, obwohl er. wird zugeben müssen, daß man jedenfalls so auslegen kann, auch dann, wenn man die Erzählung für ein pures, ohne den Geist Gottes zustande gekommenes Gebilde der israelitischen! Volksreligion hält, wie er, der moderne Professor der Theogie. Man kann so auslegen wie Delitzsch, aber man will: nioht. Man muß doch Beweise haben für den Satz, daß ״die sittliche Seite in dieser frühisraelitischen Volksreligion der nachmosaischen Zeit nicht zu besonderer Vollkommenheit entwickelt ist.“ Man zieht es daher vor, die zu einer ״Volksreligion“, die nach Prof. Kittels Überzeugung so wenig wie die altgriechische oder altgermanische Volksreligion auf Offenbarung beruht, miehr passende moderne Erklärung zu geben. Den wissenschaftlichen Beweis freilich, daß diese ״nachmosaische“ Erzählung nicht auf eine uralte Tradition zurückgeht, sondern nach und nach sich so gestaltet hat, den Beweis ferner, daß eine in später Zeit verfaßte Dar- Stellung einer alten Geschichte eo ipso von unsicherer Gilaub- Würdigkeit sei, ist Prof. K. schuldig geblieben. ,Für ihn ist es eben ein Mythus. Die gleiche profane Auffassung zeigt Prof. K. bei der Geschichte vom Turmbau zu Babel (Gen. 11).;Aus ihr liest er heraus ״die Sorge Jv/s um seine einzige göttliche Stellung“ nnd ״die Angst, er könnte durch den Turmbau und 4