Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Professor Kittels Obergutaeliteii. Wenn nun der Mensch in seinem sündigen und verkehrten. Herzenszustand, sich die Früchte vom Lebensbaum angeeignet hätte, so würde: er dadurch höhere Kräfte an sich gerissen und dann dieselben nicht zum Guten, sondern zum Bösen angewendet haben. Sündhaft zu sein und zugleich unsterblich, wäre das größte Elend für den Menschen selbst. Damit der gefallene Mensch nicht vom Baume des Lebens esse, dadurch Unsterblichkeit an sich raffe und den gefallenen Geistern ähnlich werde, vertrieb ihn Gott aus dem Paradiese. Er tat dies also nicht etwa, weil er dem Adam das Paradies nicht gönnte, sondern aus väterlicher Fürsorge und Schonung/' 80 weit der positive A'usleger. Prof. K. aber findet in dieser Geschichte eine kleinliche ,,Sorge Jv/s um seine Hoheit“ und eine für einen ,,streng sittlichen und heiligen Gott“ nicht passende ״Angst, die Menschen könnten nun gar noch das ewige Leben sich aneignen“, und findet dadurch seinen Satz bestätigt, daß ״die sittliche Seite in dieser frühisraelitischen Volksreligion der nachmosaischen Zeit nicht zu besonderer Vollkommenheit entwickelt ist.“ Wozu hat denn — fragen wir Prof. K. — Jv. in das Paradies den Baum des Lebens gesetzt? Doch wohl, damit die Menschen auch von seiner Frucht essen und zur Unsterblichkeit gelangen sollten. Vorerst aber sollten sie eine Probe bestehen. Hätten sie dieselbe bestanden und sich bewährt und wrären sie treu und gehorsam geblieben, dann wäre ihnen der Genuß von der Frucht des Lebenjsbaumes erlaubt worden und sie wären ׳dann mit dem Lohn der Unsterblichkeit beschenkt worden. Nicht nur keine Angst vor menschlicher Unsterblichkeit und Verklärung der Menschenleiber (vgl. Luk. 20,36) hatte Jv., sondern vielmehr! und geradezu seine Absicht war es, daß die Menschen die Gehorsamsprobe bestehen und dafür mit der Unsterblichkeit belohnt werden sollten. Nachdem sie aber die Probe nicht bestanden, durfte Gott in seiner väterliehen Liebe nicht das Unglück geschehen lassen, daß sie sich zum Fluch die Unsterblichkeit erwarben. Er hatte ״Angst“ vor deto definitiven, ewigen Verderben der Men־