Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1917-01-01 · Heft 1 (Januar 1917) · page 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 1 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292969-2292971--01903-2295165
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

42 Professor Kittels Obergutachten. lieh verhält er sich dann dem Samuel gegenüber! Zuerst tut er (1. Sam. 15,13):, als habe er Jv/s Wort erfüllt. Wie Samuel ihn der Lüge überführt, da sucht er sich mit einer andern Lüge auszureden. Erst als Samuel ihm seine Verwerfung ankündigt, bekennt er seinen Fehler; aber nicht, weil er ihn bereut [das, brauchte er ja schließlich auch gar nicht, da er es nur ״an der nötigen Strenge fehlen ließ“, wie Prof. K. entschuldigend sagt], sondern nur, damit der Prophet bleibe und ihn nicht beim Volk kompromittiere. — Der König Saul kann einem herzlich leid tun, wie er ja auch Samuel (15,35) leid tat; aber das muß man doch gestehen, gerade das wesentliche Erfordernis eines Königs über Israel geht ihm ab. Er hat kein Gottvertrauen und keinen Gehorsam gegen Gott, und wo er gefehlt, da mangelt die aufrichtige Buße. Wenn nun Gott ihn verwirft, weil nicht so die Geschichte des israelitischen Königtums anfangen soll, wer darf hier von Ungerechtigkeit und Härte reden? ,Aber Prof. K. findet es unvereinbar ״mit einem streng sittlichen, heiligen Gott“, daß er den ungehorsamen ,Saul durch den Propheten Samuel hat ״tadeln“ lassen. Jv. hat damit zu seiner bereits gerügten ״unsiUliehen“ Forderung noch einen ״unsittlichen“ Tadel hinzu־ gefügt. Wie kommt es denn aber, daß Saul, der nach Kittel’־ scher Auffassung wegen seines Ungehorsams gegen Gott keinen Tadel verdient, dies dem Propheten nicht offen her־< ausgesagt, sondern wenn auch zögernd, eingesehen hat, daß er gegen Jv. gesündigt? «Es scheint, daß eine Kittelsche Theologie Gottes Heiligkeit dann bemängelt, wenn sie ihre Langmut nicht ad infinitum fortsetzt, sondern nach Ablauf der Gnadenfrist das Strafgericht eintreten läßt. Zu seinem eigenen Schaden hatte Israel bisher das Exod. 17,16 und Deut. 25,19 befohlene Gericht an den Amalekitern, den ältesten Feinden Israels, unterlassen. Der erste König sollte es enälieh ausführen. Die Halbheit seines Gehorsams machte ihn des Königtums unwürdig. Die Schrift schweigt über die eigentliehen Motive, welche den Saul bei seinem Ungehorsam

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.