Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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36 Professor Kittels Obergutachten. länger wir uns mit dem Obergutachten beschäftigten, desto klarer wurde uns die bis in die Wurzel gehende Verschiedenheit dieser Theologie und derjenigen der Kirche, welcher Verschiedenheit Franz Delitzsch in seinem Schriftchen ,,Der tiefe Graben zwischen alter: und moderner Theologie“ Ausdruck gegeben hat. I. ״Unsittliche Forderungen Jv.?s“ (Kittel 34). ״Das Gesetz ist heilig, und das Gebot ist heilig, recht und gut“, sagt der Apostel Paulus (Röm. 7,12) und meint damit selbstverständlich nicht nur die Thora-Vorschriften im engeren Sinn, sondern jeglich Gebot, das der Mund Gottes im A. T. ausgesprochen hat. Prof. Kittel erlaubt sich anderer Ansicht zu sein als ein Apostel, oder vielleicht richtiger gesagt: ein Apostel existiert für ihn gar nicht in modernen aittestamentlichen Fragen über die Qualität ־Jv/s. NProf. K. also behauptet, es finden sich im A. T. Forderungen Gottes, welche ״bei strenger Beurteilung an dem Maßstab des Sittlichguten gemessen, die Probe nicht bestehen.“ Es ist bezeichnend für Prof. K., daß er nicht sagt: ״am Maßstab des Neuen Testaments gemessen.“ Läßt er auch das A. T. als: Maßstab nicht gelten, so sollte man erwarten,;daß »er als. Christ wenigstens das Neue Testament und dessen Ethik als absoluten Maßstab in ethischen Fragen zur Grundlage nehmen würde. ,Das tut er nichts Es gibt eben in der modernen Theologie, zu deren Vertreter auch Prof. K. gehört, überhaupt kein ״Es steht geschrieben“ mehr. Der ״Maßstab des Sittlichguten“ ist, vom Worte Gottes losgelöst, ein höchst individueller und dehnbarer, und was für den einen zum Honestum gehört, lehnt ein anderer ab,, der1׳ andere Begriffe vom Honestum hat. Mit dankenswerter׳ Offenheit hat vor etwa 10 Jahren ein Vikar;,: der ein Jünger der modernen Theologie war, zum Schreiber diesjear Zeilen gesagt: ״Die Bibel ist mir keine Autorität, noch weniger die Bekenntnisschriften, die einzige Autorität ist mein Gewissen.“ Was also das je-