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Jeschurun · 1917-01-01 · Heft 1 (Januar 1917) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 1 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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26 Ein Beitrag zu: ״Charles Dickens und die Juden“. eigener Erfahrung beruhte (Dickens* Vater saß 1822 im Schuldgefängnis in London), gab ihm diese Erfahrung nicht das Recht zur Verallgemeinerung. Bemerkenswert modern und klug vorausgeahnt scheint uns auch das Rassenmoment von der Briefschreiberin hervorgehoben: Alle einsichtigen Köpfe, die über das Judenproblem schreiben, gestehen zu. daß, wenn wir uns zur Taufe entsclilössen, wir ein tüchtiges positives Element im Staate werden könnten (so 0. H. Schmitz in seinem jüngst so oft zitierten Buch über Disraeli). Der Schluß aus diesem Mittelsatz wäre: Also nicht die Rasse der Juden ist minderwertig oder staatsuntüchtig, sondern die Religion macht es, die jüdische Religion ist staatswidrig. Daß diese Schlußfolgerung ad absurdum führt, liegt klar auf der Hand. Lehrreich bleibt der Briefwechsel für die Beurteilung von Dickens Persönlichkeit auf jeden Fall. Wir sehen das Bild eines ehrlichen Mannes, der den erkannten Irrtum (im letzten Briefe) zugibt und aufrichtiges Bedauern empfindet, dem jüdisehen Volke Unrecht getan zu haben. Wir gewinnen die Überzeugung, daß Dickens, weit entfernt ein Judenhasser zu sein, dem jüdischen Volk persönlich mit größter Hochschätzung gegenübersteht, wiewohl er in diesem Roman einen gewissen Stand, die Diebeskaste geißeln wollte. Was unsern Standpunkt zum ״Oliver Twist“ betrifft, so müssen wir gestehen, daß wir einem ästhetischen Werk gegenüber weniger empfindlich im Laufe der Zeit geworden sind, freier und selbstbewußter, und keineswegs vor der Lektüre eines Romans zurückscheuen oder davor zu warnen brauchen, weil ein Jude darin eine unschöne Rolle spielt. Kunstwerke sind keine Moralbücher und stehen über Parteimeinungen. Es wird wohl niemandem einfallen, Freitags ״Journalisten“ (wegen des Schmock) als für die Schule ungeeignet zu erklären. Es kommt immer auf die Art der Behandlung von seiten des Lehrers an: Ein aufklärendes Wort, und die Gefahr des Mißverständnisses ist behoben. Wir Juden verschleiern nichts und haben nichts zu verheimlichen. Wir scheuen keine Kritik,

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