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Jeschurun · 1917-01-01 · Heft 1 (Januar 1917) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 1 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Ein Beitrag zu: ״Charles Dickens und die Juden“. 23 In diesem Lande, wo die Freiheit des Bürgers voll anerkannt wird, wo das Gesetz keinen Unterschied der Konfession kennt, wird die Feder des Romanschreibers und der Spott des Publizisten aufgeboten gegen die Söhne Israels. Man sagt, daß Charles Dickens, der Großherzige, dessen Werke eine so beredte Sprache zugunsten der Bedrückten seines Volkes führen, ein häßliches Vorurteil gegen den mißachteten Juden ermutigt hat. Haben wir es doch erlebt, daß Shakespeares Shylock eine ganz andere Wiedergabe heutzutage findet, als vor 50 Jahren. Schließlich hat der große Meister aber doch seinen Interpreten gefunden. Fagin, fürchte ich, läßt nur eine Auffassung zu. Allein, Charles Dickens lebt. Der Dichter kann sich selbst rechtfertigen oder ein großes Unrecht wieder gutmachen, das er einem in der Verbannung lebenden Volke zugefügt. Indem ich nochmals bitte, zu verzeihen, daß ich Ihre wertvolle Zeit so lange in Anspruch nehme, bin ich in Verehrung Ihre ganz ergebene X. Antwort zu Brief I. Werte gnädige Frau! Ich holte, Sie verzeihen meine verspätete Antwort auf Ihren Brief. Es ist mir oft ganz und gar unmöglich, mit meinen Korrespondenten Schritt zu halten. Gestatten Sie mir, zu sagen, daß, wenn auf seiten des intelligenten jüdischen Volkes die allgemeine Ueberzeugung vorherrscht, daß ich ihm das angetan habe, was Sie ״ein großes Unrechttc nennen, so sind die Juden ein weit weniger vernünftiges, weit weniger gerechtes, ein weit weniger gutmütiges Volk, als ich stets von ihnen geglaubt habe. Fagin im Oliver Twist ist ein Jude, weil es leider in der Zeit, in welcher der Roman spielt, die Regel war, daß jene Klasse von Verbrechern fast ausnahmslos Juden waren. Sicherlich aber wird kein vernünftiger Mann und keine vernünftige Frau übersehen, daß alle übrigen handelnden Personen schlechten Charakters Christen sind; und ferner, daß er der Jude genannt wird, nicht wegen seiner Religion, sondern um seiner Rasse willen. Angenommen, ich schriebe eine Geschichte, in welcher ich einen Franzosen oder einen Spanier als ״den Katholiken“ auftreten ließe, so wäre das sehr ungehörig und nicht zu rechtfertigen, hingegen erwähne ich Fagin als ״den Juden,“ weil er einer aus dem jüdischen Volke ist, und weil dies eine ebenso bestimmte Vorstellung von ihm bei dem Leser erweckt, wie wenn ich einen Bewohner Chinas einen Chinesen nenne. Beiliegend ein Beitrag1) auf meinen Kamen für die gute Sache, für welche Sie eintreten; doch hoffe ich, daß er Ihnen zeigt, daß ich nur ג) Die Schreiberin hatte Dickens um eine Unterstützung für eine Wohltätigkeitssache gebeten.

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