Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehungsfragen in Ost nnd West. 11 protestantischen Theologie, das gesetzestreue Judentum hat hier eine schwierigere Stellung als das Christentum. Es hatte früher eine viel günstigere Position. Die Wissenschaft beschränkte sich auf philosophische Fragen. Da konnte das Judentum mit seinen übe rvernünftigen Dogmen viel leichter Anschluß finden als das Christentum mit seinen w i d e rvernünftigen. Das hat sich jetzt verschoben. Naturwissenschaft und Bibelkritik wollen mit Tatsachen aufwarten, jene um die WTahrheit des Inhalts zu regieren, diese um die Form der Überlieferung ihres autoritativen Charakters zu entkleiden. Das Christentum, selbst das katholische hat seinen Frieden mit diesen Disciplinen geschlossen. Gott und Schöpfung, Trennung der anorganischen und organischen Welt und dieser wieder von der Geisteswelt des Menschen halten sie aufrecht; der Darwinismus im eigentlichen Sinne wird scharf befehdet. Aber im Einzelnen braucht der Schöpfungsbericht nicht der Wirklichkeit zu entsprechen. Und ebenso wird die Quellenscheidung in den Büchern des Pentateuchs von beiden Konfessionen anerkannt. Sie stört es nicht. Denn Gottes Walten in der Geschichte ist ja ein Erziehungsplan, der zur Vollendung erst in der Zeit des christlichen Religions- Stifters gelangte. Gott gab dem Volke des alten Bundes ja nur die halbe Wahrheit. Warum nicht auch die Schöpfungsgeschichte nach der Fassungsgabe dieser Zeit, wozu die Einheit und Authentie der mosaischen Bücher?! Für uns, das bedarf wohl kaum einer näheren Ausführung, steht und fällt auch das Gesetz mit der Wahrheit der geschichtlichen Überlieferung im Einzelnen, hängt alles ab von der Annahme der Übergabe der göttlichen Lehre an Moscheh. Und wir sind völlig auf uns allein angewiesen, wenn wir von den Wenigen absehen, die auf christlicher Seite der strengsten Richtung angehören. Das als Tatsachenmaterial verkündete Ergebnis, ignorieren? Das ist sehr bequem, aber auch sehr gefährlich. Denn Vogelstraus-Politik treiben ist immer gefährlich. Der einzige Weg ist, Schritt für Schritt, in mühseliger aber dankenswerter Arbeit zeigen, daß auch das sogenannte Tatsachen-