Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1917-01-01 · Heft 1 (Januar 1917) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 1 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292969-2292971--01865-2295127
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 Erzielrangsfragen in Ost und West. Wissen erhält, völlig unter seinem Banne steht, ein Produkt der absoluten Wissenschaft ist. Bedarf es noch erst des Beweises, wie auch heute aus einer Formel heraus alles erklärt wird und wie diese eine Formel mit den Nebenformeln das Gesamtgebiet des Glaubens elimi־ nieren. Die Entwicklungslehre ist nicht eine rein naturwissen־ schaftliche Hypothese geblieben, sie ist in den letzten Jahrzehnten eine Weltanschauung geworden, die sich jedes Gebiet menschlichen Denkens und Fählens zu unterwarfen den Anspruch macht und den Glaube n, den Glauben der positiven Religionen von jedem Plätzchen verjagt. Von der Göthe-La־ marckschen theoretischen Begründung der Astronomie und Geologie führt keine Brücke zur biblischen Schöpfungsgeschichte, von der Annahme der Entstehung aller Wesen aus der Eiweißzelle schwerlich ein Weg zum persönlichen Gott. Der größte Philologe lehrt die Entstehung der Sprache aus Naturlauten, und in der Religionsgeschichte läßt man den Monotheismus aus dem Henotheismus und diesen aus den niedersten Gründen des Heidentums sich entwickeln. Auch im bunten, schillernden Gewände der schönen Literatur verbirgt sich, nein verbirgt sich nicht, sondern umklammert und umschlingt mit zermalmender Gewalt alle Welt: Entwichelungs- und Vererbungstheorie. Denn Zola ist der größte Epiker und Ibsen der größte Dramatiker. Ja in der Ethik selbst, die, wenn sie auch unabhängig vom Glauben ihre Resultate zu gewinnen suchte, doch stets im Einklang mit seinen Grundprinzipien blieb, in der Ethik selbst, da erzählt man uns: Nicht im Ebenbilde Gottes sind die Menschen geschaffen, ein jeder dem anderen gleich, nicht allen gegenüber gilt das Gesetz: ,,du sollst deinen Nächsten lieben“, wo bliebe da die Auslese und die Fortbildung und Veredlung der Rasse durch Eliminieren der Schwachen? Nicht darf os mehr heißen: Ehre Vater und Mutter, sondern ehre dein Kind, sorge, das du ein starkes Geschlecht hinterläßt, das sei Leitstern deines Handelns, der hier zu Grunde liegende Gedanke der wesentliche Inhalt deines Glückes.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.