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Jeschurun · 1916-12-01 · Heft 12 (Dezember 1916) · p. Seite 711

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 12 (Dezember 1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 711 (sequence 57)
Language
German
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Existiert ein ״Minhag“, an Halbfeiertagen keine Hülsenfrüchte nsw. ך\\ den Ausnahmen der Polygamie. Da predigt man die Feindesliebe und macht in der Wirklichkeit nicht einmal mit den elementarsten Fordemngen der Nächstenliebe ernst. Und so wird auch in dem ewigen Frieden eine so schöne papierene sittliche Forderung proklamiert (ich hatte in dem Aufsatz ausgeführt, daß die Propheten ihn nur als Gotteslohn kennen) aber man rührt keinen Finger um im eigenen Volke die niedrigen Instinkte der Individuen zu dämpfen, die doch in ihrer Gesamtheit erst das Volksganze, das Frieden halten soll, bilden. Weil mich dieser Widerspruch zwischen dem in volltönenden Redensarten hochgeschraubten Ideal und der Wirklichkeit mit Ekel erfüllt, darum — das ist das wirksame psychologische Moment — sind mir die Deklamationen über den ewigen Frieden im Munde der meisten Pazifisten so zuwider. Über die Durchführbarkeit der völkerrechtlichen Garantieen für einen ewigen Frieden habe ich meine eigene Meinung. Diese interessiert den Leser nicht, und es ist in dieser den religiösen Fragen gewidmeten Zeitschrift auch nicht der Ort, sie vorzutragen. Wie könnte ich aber den ewigen Frieden, wie ihn die Propheten uns gekündet, für eine Utopie halten! Man sollte meinen, Herr Dr. Unna habe meinen Aufsatz nicht gelesen. Ich halte ihn naturgemäß ebensowenig für eine Utopie wie die Erfüllung der Botschaft von der allgemeinen Anerkennung Gottes. Aber freilich daran halte ich fest, daß er nur dann eintreten kann, wenn diese Anerkennung sich durchgesetzt hat. Diese Anerkennung ist nicht in dem Augenblicke gegeben, wo alle Völker sagen werden, daß der Ewige einzig ist, sondern wo auch Sein Name, Sein Wesen als einzig, einheitlich alles umfassend anerkannt wird und diese Anerkennung auch im Leben aller Menschen sich betätigt. Wer dieses Ziel — nach unserer Meinung am verkehrten Ende beginnend — mit einem Sprunge erreichen will, den wollen wir in diesem löblichen Streben nicht stören. Uns mag es vergönnt sein, den längeren in Wahrheit aber kürzeren Weg zu wählen, erst an uns zu arbeiten, bevor wir die Menschheit beglücken. Existiert ein ״Minhag", an Halbfeiertagen keine Hülsenfrüchte zu genießen? Von Prof. Dr. A. Sulzbach, Frankfurt a. M. Diese Frage möchte ich der Untersuchung des Herrn Dr. M. L. Bamberger (Jeschurun X) gegenüberstellen, die zu dem Resultat kommt, daß ursprünglich Linsen von der Purimtafel ausgeschlossen waren, daß aber im Laufe der Zeiten auch andere Hülsenfrüchte mit in diesen Gebrauch, und nicht nur am Purim allein, sondern an allen Halbfeiertagen, einbezogen wurden.

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