Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 710 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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710 Nachwort des Herausgebers. Nachwort des Herausgebers. Ich wollte 11n verflossenen Jahre in unserer Zeitschrift der Behändlung eigentlich religiöser Probleme mehr Raum geben und habe es daher unterlassen, auf den Widerspruch, der sich gegen meine Ausführungen über ״den ewigen Frieden“ auch in den Spalten dieser Zeit- Schrift geregt hat, näher einzugehen. Audi heute möchte ich nur Mißverständnisse richtig stellen. Fine gründliche Auseinandersetzung behalte ich mir für die Zukunft s. G. w. vor. .Mit starke n Worten, wie sie stärker kaum gewählt werden können, habe ich den Krieg als einen Fluch geschildert, habe gezeigt, daß auch die Bibel ihn als solchen ansieht, habe ausgeführt wie sehr der ewige Friede .als Glück empfunden und von den Propheten lebendig erfaßt wird Ich habe ebenso die Bestrebungen der Pazifisten als rühmliche hingestellt. Wogegen ich mich gewandt, das ist die Meinung, daß die Propheten m dem Zaren von Rußland, dem Herrn d’ Et 011111־ eil es dem Bürgermeister• Nathan und anderen Größen der französischen und italienischen Freimaurerlogen die berufenen Erfüller ihrer Ideen sehen würden. Mein lieber Freund und hochgeschätzter Mitarbeiter Dr. Unna ist ja לדזבה״ל in guter Gesellschaft. Ich sehe noch das glückstrahlende Lächeln, mit dem Prof. Berliner s. A mir, als die Anregung des Zaren zum ersten Friedenskongress im Haag bekannt wurde, sagte, daß jetzt die messianische Zeit näher rücke. Nein! und dreimal nein! Ich halte es für eine Herabsetzung dieser gewaltigen religiösen Idee, wenn wir ihre Verwirklichung aus der Hemd dieser Männer erhoben sollen Nun habe ich freilich recht unsympathische Namen genannt. Aber auch was ich besonders in neuerer Zeit von anderen Pazifisten gelesen habe, bestärkt mich in dieser Meinung. Ich habe mir wahrlich für die Schwächen des deutschen Wesens und des deutschen Regiemngssystems ein offenes Auge gewahrt Aber das so außerordentlich geringe Maß von Berechtigkeit, das von der weit überwiegenden Mehrzahl der Pazifisten der Sache Deutschlands gezollt wird — und nur der völlig Voreingenommene kann behaupten, daß die ganze Schuld auf deutscher Seite zu suchen ist — das hat mich mißtrauisch gemacht gegen die Ehrlichkeit dieser Kämpfer für den Frieden und gegen ihre Fähigkeit, auch in Zukunft allen Seiten in gleicher Weise gerecht zu werden. Was Förster will, das ist ja auch der Grundgedanke meines Aufsatzes. Der ewige Friede kann nur das Ziel sein, zu dem der Weg durch die Arbeit an der religiösen und ethischen Vervollkommnung der Völker führt. Und wogegen ich ankämpfc, das ist die konventionelle Lüge, die sich in dieser Frage wie überall auch in der Verkündigung der religiösen Ideen breit macht. Da wird die Bibel als minderwertig hingestellt, weil sie die Polygamie duldet, aber im Leben preist man öffentlich die Monogamie und huldigt im Geheimen mit verschwinden״