Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 709 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitgemäße Mahnungen. 709 die Beseitigung der Gewalt und die Statuierurig des Rechts! als Grundlage des internationalen Verkehrs anstrebt, ein Kutturfaktor ersten Ranges. Und auch auf die Gefahr hin, mit meinem Freunde Dr. Wohlgemuth und seinen Ausführungenw über den „ewigen Frieden“ in Widerspruch zu geraten, möchte ich es aussprechen: wir sollten uns hüten, diesen ewigen Frieden als ein unerreichbares Ideal, als eine Utopie hinzustellen. Es ist im. Bewußtsein der Propheten ebenso lebendig wie die einstige Wiederherstellung Israels. Und wenn wir etwa die inneren Zustände in Deutschland vor der Verkündigung des ewigen Landfriedens mit der jetzigen Zeit vergleichen, so mag uns der Unterschied auch nicht größer erscheinen, als zwischen den „latenten“ Kriegszustand, der jetzt raucht während des Friedens zwischen den Völkern herrschte, und einem dauernden Völkerfrieden. Es mag auch damals manchen gegeben haben,, der die Abschaffung des Faustrechts als Utopie betrachtete. Und mit Recht sagt Förster: wenn wir den Krjeg zu den „Grundelementen des irdischen Lebens“ rechnen wollen, so hätten, unsere Vorfahren auch den Kanibalismus dazu rechnen können. — Das Judentum hat freilich neben der Friedensidee noch ein anderes, sie ergänzendes Ideal: Die allgemeine Anerkennung des einzigen Gottes. Nicht eine internationale Sicherheitspolizei, wie sie von manchen- Pazifisten gefordert wird, sondern die Erstarkung des Gottesj-f bewußtsein in der Seele der Völker wird jene höhere Macht sein, welche allein im Stande ist, die Leidenschaften zurückzudämmen und Katastrophen, wie wir sie jetzt erleben, zu verhüten. Aber ebensowenig, wie wir diese allgemeine Anerkennung Gottes als eine Utopie ansehen — und eine Hoffnung, die wir am Schlüsse aller unserer Gebete aussprechen, darf uns keine Utopie sein —, ebensowenig sollen wir auch einen dauernden Frieden unter den Völkern als etwas Unerreichbares betrachten. Vielleicht bedeutet gerade der. gegenwärtige Krieg mit den furchtbaren Lehren, die wir aus ihm ziehen müssen, ednen großen Schritt auf dem Wege zm diesem Ziele. HlllllHNIIIHIilllll