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Jeschurun · 1916-12-01 · Heft 12 (Dezember 1916) · p. Seite 708

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 12 (Dezember 1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 708 (sequence 54)
Language
German
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7o8 Zeitgemäße Mahnungen. es auch gewiß notwendig und heilsam ist, daß die großen nationalen Individualitäten ihre Eigenart betonen und sich ihrer Kulturmission bewußt werden, so verliert doch das alles seinen Wert, wenn nicht die weitere Phase folgt: Die Herstellung kultureller Gemeinschaft zwischen den Kassen. Die Staatsauffassung Treitschke’s. der das sittliche Urteil über den Staat aus der Natur und den Lebenszwecken de& Staates geschöpft sehen will,- nennt Förster heidnisch; er ist der Ansicht, daß der Staat und seine Lebenszwecke einem höheren Zwecke unterzuordnen und von dort aus moralisch zu beurteilen seien. Mit Nachdruck wendet sich Förster auch gegen die Militarisierung der Jugend. Er schildert eingehend die Schäden der Jugendwehr, die die jungen Leute seelisch derartig in Anspruch nimmt, daß sie für ihre eigentlichen Arbeitspflichten nur noch die halbe Aufmerksamkeit übrig haben, die aus dem allzufrühen Umgang mit militärischen Formen und Begünstigungen hervorgehende Großmannssucht und die einseitige Einstellung des Charakters auf den Krieg, die für die Zukunft die größten Gefahren in sich birgt. Denn wir haben nicht nur ein Soldatenvolk zu erziehen, sondern „Männer die hohe Kulturtraditionen zu verwalten haben, und die darum berufen sind, die Macht des Gemeinen in der Welt mehr mit der läuternden Macht hohen Geistesstrebens und sittlich-religi* Ösen Vorbilds als mit Explosivstoffen entgegenzutreten.“ Deshalb ist auch der Pazifismus zu fördern, wTeil auch die Mitarbeit an der Völkerverständigung zur Landesverteidigung im tieferen Sinne gehört, und Förster nennt es geradezu eine „Weltschmach“, daß die Friedensbewegung verhältnismäßig so wenig Anhänger gefunden habe. Er bedauert es, daß gerade Theologen häufig als „Doktrinäre der Barbarei“ aut*« treten. Man braucht nicht gerade die Idee der Schiedsgerichte für die allein richtige zu halten, aber das eine steht fest, daß erst das Völkerrecht die wahre Sanktion und Befestigung der Kechtsidee überhaupt ist. Deshalb ist — und das möchte ich Mer besonders betonen — der Pazifismus, der

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