Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 707 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitgemäße Mahnungen. 707 liehen Kräfte bedürfen, um die Schäden, die der Krieg verursacht hat, zu heilen. Die Jugend aber möge begreifen lernen, daß die Disziplin des Friedenhalten und Friedenstiften weit mehr sittliche Größe erfordert als die des Kriegführens, daß die hohen, ritterlichen Eigenschaften des Charakters gerade in der Verständigung und in der Großmut sich betätigen können. — Um zu einem Ende des Krieges zu gelangen, muß zunächst eine neue Tonart in der Behandlung der internationalen Probleme angeschlagen, es muß die moralische Atmosphäre geschaffen werden, welch die V oraussetzung für das, gegenseitige Verständnis bildet. „Es müssen großmütige und aufbauende Worte allmählich wie Tauben mit dem Oelblatt, von einem Lande zum andern fliegen/' Für eine der schlimmsten Erscheinungen des Krieges hält Förster das Sichgehenlassen im Hass gegen unsere Feinde und die damit verbundene leidenschaftliche Härte und Einseitigkeit des Urteils, die unvereinbar ist mit deutscher Würde und deutscher Kultur^ Er fordert Gerechtigkeit auch gegenüber dem Gegner una betont die Bedeutung der Kulturarbeit Englands. „England schenkte uns nicht nur seine Imperialisten, England schenkte uns auch die Heilsarmee, es gab uns unschätzbare höhere Gesichtspunkte für die Behandlung der Arbeiterfrage, für die soziale Arbeit, es belehrte unsere revolutionäre, milderte unsere parteipolitischen Sitten — dessen soll ewig gedacht werden, und in diesem Gedächtnis werden wir einst wieder die gebotene Hand ergreifen. “ Wir sollten uns überhaupt darüber klar werden, daß der Krieg selbst eine Folge der allgemeinen Verrohung gewesen ist. Der Weltverkehr hat die Menschen äußerlich einander näher gebracht, er hat aber damit die Reibungsflächen vermehrt, und es fehlten die höheren Mächte, die notwendig sind, um die aus dem Zusammenleben hervorgehenden erbitternden (Eindrücke und Erfahrungen zu harmonisieren und Gemeinschaft selbst zwischen starken Gegensätzen zu begründen. Das nationale Prinzip, das in den letzten Jahrzehnten alles beherrschte, hat in Bezug auf die Weltkultur erschreckend destruktiv gewirkt. Denn wenn