Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 706 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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yo6 Zeitgemäße Mahnungen. stinkte, die ihren greifbaren Augenblicksvorteil mit dem Gesamtleben identifizieren und dadurch dem nationalen Ganzen jede weitausschauende Staatskunst unmöglich machen.“ Dieses Bestreben, sich in die Interessen der Völkergemeinschaft zu vertiefen, neben den eigenen Standpunkt auch den der anderen Nationen zu würdigen, hält Förster auch für das einzige Mittel, um aus dem gegenwärtigen Elend herauszukommen. Er erkennt zwar durchaus die sittlichen Kräfte an, die der Krieg in die Erscheinung treten ließ, „daß eine Wahrheit, die sonst nur von wenigen und erst in der Reife des Lebens begriffen ward, die Wahrheit des schlichten, schweigsamen Opfers, daß die nun mit Posaunen in jedes Haus dröhnte, so daß plötzlich, fast an einem Tage, fast in einer Stunde der ganze Götzendienst des eigenen Ichs, der mit so großen Worten seinen Einzug in die moderne Seele gehalten hatte, lautlos durch die Hintertüre verschwand, wie irgend ein Schuft, der auf falschen Papieren ertappt wird.“ Der Krieg hat vieie ganz junge Menschen vor die Aufgabe gestellt, ihren Familien eine Stütze ein Halt zu sein und hat so durch das Gefühl der Verantwortlichkeit, das er in ihnen weckte, ihren Charakter gestärkt und gestählt, hat sie frühzeitig zu ganzen Menschen werden lassen. Er kann überhaupt auch für die Daheimgebliebenen zu einer Schule des Charakters werden, wreil das W esen des Charakters eigentlich in dem* Vernichtungskampf gegen jede Art von Furcht zu suchen ist. Aber diese Momente dürfen uns keinen Augenblick vergessen lassen, daß der Krieg durch all seine entfesselten Leidenschaften doch letzten Endes weit mehr Disziplin in der Seele vernichtet, als seine ehernen Notwendigkeiten aufbauen können. Auf die Dauer müssen die disziplinierenden Kräfte des Krieges vorn den auflösenden überwogen und überwunden werden, weil der Krieg in dem Gegenteil von Disziplin in ungebändigten Leidenschaften und Instinkten seinen Ursprung hat. Man glaube deshalb nicht, daß aus dem Krieg eine Erneuerung des religiös-sittlichen Lebens hervorgehen, könne, im Gegenteil, es wird des Angebots aller reKgiös-sitt-