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Jeschurun · 1916-12-01 · Heft 12 (Dezember 1916) · p. Seite 705

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 12 (Dezember 1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 705 (sequence 51)
Language
German
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EBSBSSg Zeitgemäße Mahnungen. 705 liehen Stellungnahme gegen den Verfasser veranlaßt. Was Förster verlangt, das ist, um es kurz und mit einem neuerdings beliebten Schlagwort auszudrücken, eine Neuorientierung in der äußeren Politik, eine „Erneuerung der internationalen Kulturideale“. Förster ist durch und durch Ethiker; er ist überzeugt, daß nur der Staat, der aut sittlicher, Grundlage ruht, eine Zukunft hat, und deshalb fordert er,i „daß jede einzelne Nation sich nicht bloß von ihren eigenen Interessen und Rechten erfüllen läßt, sondern vor allem von dem Streben nach sittlicher una vernünftiger Zusammenordnung der streitenden Ansprüche, nach dem Imperium der Rechtsidee“. Wie dies praktisch ins Leben treten soll, sagt Förster, der auch gläubiger Christ ist, das erfährt man nicht bei den Juristen, sondern in der Heiligen Schrift. Abrahams Worte zu Lot: „Gehst Du zur Rechten, so will ich zur Linken gehen“, sind die erhabene Ouvertüre aller Kultur und aller menschlichen Weltpolitik. Heute heißt es: Gehst Du zur Linken, so gehe ich auch zur Linken, und dann schlagen wir solange aufeinander los, bis zum Schlüsse nur noch zwei» große Blutlachen da sind!“ < Eine beliebte Methode, um jedes Unrecht und jede Gewalttat, die im Namen des Staa’tes verübt werden, zu rechtfertigen, ist die Scheidung zwischen Privatm;oral und S t a a t s m‘ o r a 1. Berufene und Unberufene bemühen sich zu beweisen, daß die Grundsätze der Moral, wie sie allenthalben für das Privatleben jgelten, in der Politik nicht anwendbar sind, daß, was ,dort verwerflich und schändlich, hier gut und bewundernswert sein kann. Förster fällt über diese Anschauung ein vernichtendes Urteil, und zwar nicht nur vom ethischen, sondern auch vomi politischen Standpunkt aus. Er zitiert das W ort Gladstones: „ Was moralisch falsch ist, das kann gar nicht politisch richtig sein“, und er fordert die Herrschaft des Sittengesetzes auch für die äußere Politik. Denn ein Volk das sich durch nationalen Egoismus zu behaupten und zu entfalten versucht, erweckt und ermutigt auch in allen einzelnen Interessengruppen die gröbsten egoistischen ln- 4~*

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