Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 700 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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/oo Die Magna Charta der Polnischen Jndenheit. kennung der jüdischen Religionsgesellschaft in Polen als Corporation des öffentlichen Rechtis bedeutet für die dortige Judenheit, d. h. für die jüdischen Menschern nicht nur eine Recfftswohltat, bei der m,an das Für des Gewinnes wider das Gegen der Einbuße abzuwägen in der Lage wäre, sondern sie ist für sie eine Existenzfrage im brutalsten Sinne des Wortes; denn sie ist die Voraussetzung, die es den maßgebenden Instanzen erst ermöglichen könnte, neben der herrschenden, katholischen Staatsreligion der jüdischen die Freiheit der Hebung zu sichern, sie vor der administrativen Willkür der nachgeordneten Stellen zu schützen, und, indem sie ein Organ, das zur repräsentativen Vertretung der Gesamtheit legitir miert ist, schuf, ihr den Rechtsboden zu bereiten, auf dem* ihre Verhandlungsfähigkeit mit den Behörden ruht. Man braucht mit den dortigen derzeitigen Verhältnissen und den späteren Entwickelungsmöglichkeiten ganz gewiß nicht vertraut zu sein, um es zu verstehen, daß die autonome jüdische Gemeinde Polens weder jetzt noch in absehbaren, zukünftigen Zeiten in der Lage wäre, ihre Anliegen und Lebensnotwendigkeiten, ihre Beschwerden und ihre Besserungsvorschläge an den zuständigen Stellen mit der Zielbewußtheit und der Beherrschung der nun einmal unentbehrlichen Formen des Verwaltungsgeschäftsverkehrs zu vertreten, die einen Erfolg Voraussagen läßt. Daß aber alle diese Schwierigkeiten mit einem Schlage beseitigt sind, wenn nicht mehr die Einzelgemeinde, der alle dazu nötigen Qualitäten abgehen, sondern die organisierte Gesamtheit als Fürsprecher des Ganzen wie des Einzelnen dafür einzutreten und die Dynamik ihres alle Einzelenergieen in sich begreifenden Lebenswillens dafür einzusetzen berufen wird. Das Goethesche Wort, das wer den Dichter will ver* stehn, in Dichters Lande gehn muß, trifft in gebotener Abwandlung den Kern auch dieses Problems. Man muß die Trostlosigkeit der Situation, in der sich die Polnische Judenheit nicht erst seit Kriegsausbruch, aber seitdem in denkbar;