Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 699 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Magna Charta der Polnischen Judenheit. 699 lung öffentlicher Angelegenheit doppelt gebotenen Prinzipientreue und Consequenz können es doch nicht zulassen, daß man •ein und dieselbe Verwaltungspraxis hier verdammt und dort in den Himmel hebt! Oder wie wäre es zu verantworten, daß man das kostbare Gut der unbedingten Gewissensfreiheit, das man in Preußen nur im Schatten der Gemeindeautonomie geborgen wähnt, idort, in Polen, der Zwangsorganisation, ihrer geborenen Todfeindin ausliefern zu dürfen glaubt?! Die Schlüssigkeit dieser Beweisführung kann wohl nicht angefoch'ten werden. Und die Versuche, denen wir hier und da begegnen mit Hilfe volkspsychologischer Theoreme eine* VerschlehtenartigkeiUder BödeMispositiön für die Verwaltungspraxis zwischen hier ‘umd dort zu konstruieren, arbeiten allzusichtbar mit unwägbaren Gedankenwerten, als daß die nüchterne Betrachtung, die gewöhnt ist, die Dinge so zu erschauen, wie sie sind, sich mit ihnen befreunden könnte. Es muß wohl dabei sein Bewenden haben, daß die dortigen Juden, abgesehen von dem Einfluß des Milieus, dem sie ebensogut wie die Deutschen dem ihrigen unterliegen, im Uebrigen ebenfalls Menschen des 20. Jahrhunderts sind, die auf die mitgeborenen Rechte, unter denen der Anspruch auf absolute Gewissensfreiheit in religiösen Dingen obenansteht, ebensowenig wie wir Westeuropäer Verzicht zu leisten gezwungen werden dürfen. Aber man leistet den Werkmeistern der dort geschaffenen Organisation mit solchen Rettungsversuchen, deren sie nicht bedürfen, auch keinen Dienst und fügt ihnen,wohlverstanden, mit der Unterstellung, daß sie unter dem äußersten Druck der Verhältnisse so, wie sie es taten, handeln m u ß t e n, mußten sogar auf Kosten der Preisgabe sonst von ihnen anerkannter Prinzipien m. E. keinerlei Unrecht zu. Auch hier erweist sich eben die Richtigkeit des Satzes, daß die Daseinsnotwendig*- keiten des Menschen und erst recht kompakter Menschenmassen, Betätigungsformen erfordern, auf die die Regeln des. Einmaleins nicht anwendbar sind, und daß das obige Regeldetrieexempel an dem Fehler leidet, Menschenschicksale als Zahlengrößen behandeln zu wollen. Kurz gesagt: Die Aner-