Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 697 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Magna cliarta der Polnischen Judenheit. 697 III. Wir haben in unserer vorstehenden Skizze, wie schon oben einleitend ausgesprochen, alle Einzelbestimmungen der Verordnung, soweit sie nicht prinzipielle Gesichtspunkte berühren, auch wenn sie, wie z. B. die Ausgestaltung des Steuerwesens für die Gemeinden von tiefeingreifender Bedeutung zu werden versprechen, übergangen, um alles Licht auf das charakteristische Moment in der Verordnung zu werfen und dadurch dem Leser die Aufgabe, zu ihr die richtige Distanz zu gewinnen, zu erleichtern. Und man braucht 'wohl keinen Widerspruch zu befürchten, wenn man dieses Moment in der Aufhebung der bisher bestehenden Gemeindeautonom'ie und der Zusammenfassung der Gemeinden im einer organisierten Gemeinschaft, die so lückenlos ist, daß sich ihr selbst die ihrer Natur nach eigentlich jeden Gemeinsamkeitscharakter negierenden Separatgemeinden (Kultusvereine) nicht entziehen können, erblickt. Diese Feststellung;- vereinfacht aber — sollte man meinen! — die Fragestellung bezüglich der Stellungnahme zu der Verordnung des Herrn Generalgouverneurs ungemein: je nachdem der Beurteiler nach seiner politischen und seiner Weltanschauung den Gedanken eines staatlichen Zwanges erträglich oder unsympathisch findet, ob er die Vorzüge der weitmöglichst ausgebauten Selbständigkeit des Rechtsindividuums, vor Allen wegen ihrer (fas Verantwortungskeitsgefühl des Einzelnen anregenden und schärfenden Qualitäten höher e'inschätzt öder die materiellen Vorteile einer erhöhten segensreichen Wirksamkeit durch Zusammenlegung disparater Kräfte zu einem Gemeinsamkeitsgebilde über jene ideellen Werte stellt; muß er auch die durch jene Verordnung geschaffene Sachlage im Jnteresse der Polnischen Judenheit freudig als Fortschritt begrüßen oder in ihr die Quelle für spätere verhängnisvolle und verderbliche F olgenwirkungen erblicken. So sollte man meinen! Nun hat aber die organisierte deutsche Orthodoxie gerade zu diesem Problem schon seit vielen Jahren ihre Stellung genommen und bei wiederholten Gelegenheiten unzweideutig