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Jeschurun · 1916-12-01 · Heft 12 (Dezember 1916) · p. Seite 687

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 12 (Dezember 1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 687 (sequence 33)
Language
German
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Die Bibel im Liebte altbabylonischer Gesetzgebung. anderes Hans geht (§ 133) kennt der Mosaismns nickt. Körper- Terstümmelungen wie: Ahsehneiden der Zunge und Ausreißen des Auges (wenn der Buhlensohn gegen seine Pflegeeltern sich auf lehnt, § 192 u. 193), Abschneiden der Brust (wenn die Amme ein anderes Kind unterschiebt, § 194), Abhauen der Hände u. a. wenn der Arzt eine Fehloperation macht, § 218), Abschneiden des Ohrs (wenn der Sklave sagt: du bist nicht mein Herr § 282) — kennt der Mosaismus überhaupt nicht. Es ist ein ergreifender Gegensatz zur letztgenannten Bestimmung des Ohrabschneidens, wenn man an den einzigen Fall denkt, indem die Bibel eine ״Verstümmelung“ anordnet: dem Sklaven, der im 7. Jahre nicht in die Freiheit gehen, sondern auf Lebenszeit Knecht bleiben wollte, wurde von seinem Herrn das Ohr mit dem Pfriemen durchbohrt! (II B. M. 21, 6)1). Wir kommen zu einem anderen Punkte. Dreimal begegnet uns im H.-Codex eine seltsame, unserem Gefühl aufs äußerste widersprechende Art der Sühne. ״Wenn ein Häftling im Hause der Haft an Schlägen stirbt, so soll man des Hausverwalters Sohn töten“ (§ 116). ״Wenn jemand eine (schwangere) Frei־ geborene schlägt, so daß sie stirbt, so soll man seine Tochter töten“ (§ 210). ״Wenn (ein schlecht gebautes Haus einstürzt und) den Sohn des Eigentümers totschlägt, so soll der Sohn jenes Baumeisters getötet werden“ (§ 230). Ein ungeahntes Licht fällt von diesen Vorschriften auf den biblischen Kanon (V B. M. 24, 16): ״Nicht sollen Väter um der Kinder willen getötet werden, und nicht sollen Kinder um der Väter willen getötet werden; ein jeder soll für seine *) Daß וקצתח את כפד (V. 25. 12) keine Körperverstümmelung bedeutet, sondern die Geldbuße mit Wertabschätzung der beteiligten Personen, lehrt die Halacha durch den Vergleich des darauffolgenden לא תחום עינך mit V. 19. 21. Aber auch rein sprachlich kommt קצץ in der Bedeutung ״abhauen“ im ganzen תכך nur im Piel vor, niemals in Kal. Kann demnach an unserer Stelle die Kai-Form sehr wohl eine andere Bedeutung haben, nämlich ״du sollst ihre Hand ab schätzen“, so läßt sich weiterhin diese Bedeutung als eine Übertragung des Ursprungliehen Wortsinns verstehen (man denke nur an das Substantivum קץ: den Wert der Hand abgrenzen). 44

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