Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 675 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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סמחדג סל בהבידל 675 versagt sich Genüsse, die dem Menschen auf Erden zuteil werden sollen46). Wer überhaupt ein Gelübde ablegt, gleicht dem, der einen unheiligen Altar errichtet47)־ Das Fasten ist berechtigt, wo es in Bibel und Talmud vorgeschrieben, wo in Zeiten der Not die Gemeinde an Gott sich wendet. Aber jedes Kasteien, jede Form freiwillig übernommener Askese ist vom Übel48). Und die andere Auffassung, die uns mit bewußter Spitze gegen jenes Psalmwort in Hiob ׳entgegentritt: ״Was ist der Mensch, daß du so groß ihn achtest, daß du auf ihn richtest deinen Sinn? daß du ihn heimsuchst jeden neuen Morgen und jeden Augenblick .ihn prüfst 49)“? Der Mensch ist ein W:arm 50), der sich seines Nichts durchbohrendes Gefühl nicht oft genug vergegenwärtigen kann, der darum den ungeheuren Abstand, der ihn von der Gottheit trennt, durch unausgesetzte Arbeit, die über das von der Pflicht gebotene hinausgehe, zu überbrücken versuchen muß. Schlingen sind ihm von außen und in seinem Innern gelegt, jede Übertretung ist eine Verletzung der Majestät des Höchsten und könnte eigentlich nur mit dem Tode gebüßt werden51). Gott verzeiht in seiner Gnade, aber wieviel gehört dazu, um dieser Gnade würdig zu werden! Für eine versehentlich begangene schwere Sünde, wofür zur Zeit des Tempels ein Sühneopfer zu bringen wäre, sind, wenn der Gesundheitszustand es gestattet, vierzig Fasttage abzuhalten52). Keinem der Helden unserer biblischen Geschichte ist nach dem Midrasch ungetrübte Freude beschieden gewesen, Gott selbst ward die Freude an der Schöpfung gestört. Er hatte alles um des Menschen willen geschaffen, und ״Er freute sich seiner 46) Taanith 11a. 47) ]STedarim 22 a. 48) Taanitli 11a. 49) Hiob 7, 17 f. 50) So nach Ps. 22, 7 öfters in den Moralbüchem. 51) Vgl. meinen Aufsatz ״Schuld und Sühne“ Jeschurun III 9 S. 466 u. 472. 52) Schulchan Ar. Jore Dea § 185, 4.