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Jeschurun · 1916-12-01 · Heft 12 (Dezember 1916) · p. Seite 672

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 12 (Dezember 1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 672 (sequence 18)
Language
German
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6j 2 ממחה פול מצרה gerten Ansprüchen an das Leben, dem jedesmaligen Zeitgeschmack entgegenzukommen. Unsere gesamte religiöse Gesetzgebung setzt das ideale Volk voraus, wie ja zur Genüge schon allein die obenerwähnte Bestimmung über das Erlaßjahr beweist. Nichtjüdische Exegeten, Keligionshistoriker Nationalökonomen 40) nennen diese gut gemeint, aber herzlich unpraktisch. Und doch ist dies Gesetz während einer langen Periode der jüdischen Geschichte gehalten worden*1)• Das Volk ist nicht in dieser Zeit verhungert, ebensowenig degeneriert, es hat auch tüchtige Soldaten gestellt, die Helden, die drei Jahre hindurch mit einer lächerlich winzigen Schar den Kampf gegen das römische Weltreich bestanden. Und wählen wir ein Beispiel aus der heutigen Zeit, so setzt auch das treue Festhalten am Sabbat ideale Menschen voraus, Menschen, denen ein bescheidenes Glück, das ihnen ihr Menschenrum und die Möglichkeit religiöser Treue verbürgt, höher steht als ein in Luxus und wahnwitziger Jagd nach immer gesteigerten Genüssen verbrachtes Leben bieten kann, zu dem die Pforte allein durch eine die Schranken der religiösen Gebote durchbrechende Erwerbstätigkeit sich öffnet. Wir meinen es aussprechen zu dürfen, ohne als Mucker und Pfaffe verschrieen zu werden, daß der Weltkrieg uns doch die Augen geöffnet hat für den geringen Wert der modernen Kultur, mit welchem Ehrennamen man die Bedürfnisse einer über alle Maßen verfeinerten, fast möchte man sagen perversen Lebensweise belegt. Von demjenigen, der im Banne dieser״Kulturforderungen“ steht, wird freilich der Verzicht als ein schweres Opfer empfunden. Aber auch dort, wo sich die Erfüllung der religiösen Obliegenheiten der Befriedigung bescheidener Ansprüche hindernd in den Weg stellt, kann man nicht sagen, daß die ״Freude an der Pflichterfüllung“ erstickt werden müsse. Denn gerade aus dem Widerstand, der zu überwinden ist, erwächst ein neues 40) Leider auch jüdische, wie Franz Oppenheimer. 41) Die Belege siehe bei Bousset ״die Beligion des Judentums ira neutestamentlichen Zeitalter“ S. 151 f.

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