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Jeschurun · 1916-11-01 · Heft 11 (November 1916) · p. Seite 653

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 11 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 653 (sequence 63)
Language
German
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Ein Feldpostbrief. 653 Ein Feldpostbrief1). Sehr geehrter Herr Dr. ב״יי! Wir hier draußen kämpfen nicht nur gegen den äußeren Feind, wie müssen wir ankämpfen gegen das stumpfsinnige, geistestötende Einerlei. So sind wir besonders dankbar, wenn wir aus der Heimat geistige Anregung erhalten. Für mich ist immer das Eintreffen des ״Jeschurun“ ein besonderer Lichtblick. Mit vielem Interesse habe ich Ihren Artikel שבלתה! פזל בלצודז gelesen und möchte mir einige Bemerkungen dazu gestatten. Sie erörtern den Einwand, daß viele die Anerkenntnis der göttliehen Herrschaft und die Verbindlichkeit der Gebote als eine Bürde, als ein Joch auffassen. קבלת עול בללכות שבלים ועול בלצות. Wenn wir uns den Begriff ״Joch“ näher betrachten, so werden wir finden, daß die hebräische Sprache einen ganz anderen Begriff damit verbindet, als die deutsche Sprache, die mit dem Worte ״Joch“ im übertragenen Sinne eine schwer drückende, nur widerwillig getragene Last bezeichnet. Wir Städter wollen uns nun erst klar machen, zu welchem Zwecke man den Ochsen zur Feldarbeit in das Joch spannt. Der Ochs soll mit dem Pfluge Furchen im Acker ziehen Würde man ihn frei ohne Joch laufen lassen, so würde der Ochse eine gerade Furche nicht zustandebringen, seine Arbeit wird ihm erschwert, durch das Hin- und Herschwanken würde er kaum vorwärtskommen. Im Joche jedoch, das ihm die Richtung gibt und ihm den Weg weist, fühlt er sich freier, es wird ihm leichter seine Arbeit zu vollbringen So empfindet der Ochse das Joch nicht als drückende überflüssige Last, sondern fühlt den Druck als etwas Notwendiges, um seine Kräfte frei und sicher entfalten zu können. So empfindet der Jude auch die ״göttliche Herrschaft“ und ״die Verbindlichkeit der Gebote“ nicht als drückende, nur wider Willen übemomene Bürde, nein, er braucht eine Führung und Leitung durch das Leben, damit er den graden Weg findet, er braucht Gesetz und Gebote, die seinen Lebensweg einzäunen, damit er nicht unsicher und schwankend den Weg verliert. Auch das Verbum קבל deutet auf eine freiwillig-freudig und mit Überlegung und Zustimmung übernommene Aufsichnahme der Gottesgesetze hin. So קבלת שבת der freudige Empfang der Sabbatbraut, קבלה die mit tiefen Verständnis und mit inneren Erkenntnis übernommene Überlieferung. קבלת עול כללכות שכלים ועול בלצות heißt also: Die mit innerer Überzeugung und freudiger Zustimmung anerkannte Leitung Gottes durch Gesetz und Gebote. *) Die Fortsetzung des Aufsatzes שכלתה של מעבות konnte in diesem Hefte nicht erscheinen. So wollen wir wenigstens diesem Feldpostbrief, der so ganz anderes enthält, als die sonst üblichen, hier Raum gehen. D H.

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