Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 11 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 648 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Neuordnung des Geschichtsunterrichts u. s. w. diesen Schönheiten zu durchtränken, so ausschließlich vorherrschen, daß daneben für den historischen Psalm kaum noch Zeit übrig bleibt? Ist nicht vielmehr die Gedankenweite eines Psalm 78, der in seinen zweiundsiebenzig Strophen die Geschichte Israels von der ägyptischen Zeit bis hinein in die Spaltung•: der Reiche besingt, so schön, wie kaum ein anderes Epos der Weltliteratur die Geschichte seines Volkes, ebenso wertvoll, ebenso gut wie jene für die sittliehe Reifebildung des Schülers verwertbar?! Weiter: das Buch Ijob mit seinen nachtschweren Bildern und Vergleichen, der seelenzermürbenden Tragik seiner Menschengeschicke, der an d ie letzten Fragen der Menschheit rührenden Dialektik seiner Weltbetrachtung —ist die Arabeskenschrift dieser höchstkultuvierten Seelenanalyse mehr als eine Belohnungsgabe für eine kleinere Schülergemeinde, die durch eine gemeinhin nicht eben alltäglich an!zutreffende Beanlagung und Geistesschulung das Niveau der Schule überragen? Aber diese Eigenschaften des, Buches rechtfertigen es m. E. nicht, daß; umseinetwillen die Lektüre ausgewählter Kapitel aus Daniel (z. B. Kapitel 1 oder 9, wenn man schon aus sprachlichen Rücksichten *die in der Targumsprache geschriebenen auszuscheiden gezwungen ist) und Esra (Kapitel 3!) vom Lehrplan der Religionsschule ausgeschlossen bleibt. Und vollends das Buch Nehemiah — es dürfte kaum ein unverdorbenes Kinderherz geben, dem die Eröffnung des Verständnisses für das Wesen dieser Mannesseele nicht zu einem dauernden Besitz für das Leben würde! Die naive Menschlichkeit und nichts als reine Menschlichkeit, die das 1. Kapitel ausströmt, wo er erzählt, wie er über die traurige Kunde aus dem heiligen Lande geweint und gefastet und sein Herz in ergreifendem Gebet zu Gott ergossen habe; oder — um aus der Fülle der Gesichte nur noch eines herauszugreifen, — die restlose Hingabe des ganzen Ichs in all seinem Leisten und Vollbringen an die unbestechliche, göttliche Richtermacht wie sie im 13. Kapitel so wunderbar ausklingt: hier ruhen Bildungswerte für die *Ethisierung des